Studie Reallöhne sind im Aufschwung gesunken

Der vergangene Aufschwung hat Deutschlands Arbeitnehmern nichts gebracht. Trotz Wirtschaftswachstums sind laut einer Studie in den vier Jahren vor der Krise die Reallöhne sogar gesunken. Immerhin: Die aktuell geringe Preissteigerung macht jedoch wieder einen Teil der Kaufkraftverluste wett.


Berlin - Deutschlands Arbeitnehmer haben kaum vom Wirtschaftswachstum vor der Krise profitiert. Der zurückliegende Aufschwung sei bei den Lohnbeziehern nicht angekommen, obwohl diese heute im Durchschnitt sogar besser qualifiziert seien, heißt es im Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Euro-Münzen: Arbeitnehmer sind die Verlierer des vergangenen Aufschwungs
DPA

Euro-Münzen: Arbeitnehmer sind die Verlierer des vergangenen Aufschwungs

Demnach sind in den Jahren 2004 bis 2008 sind die Reallöhne sogar gesunken, obwohl Unternehmen Zuwächse verbuchten. Diese Entwicklung sei einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik, teilte das Institut am Dienstag in Berlin mit. Der Netto-Reallohn ergibt sich, wenn vom Bruttoeinkommen Sozialbeiträge und Steuern abgezogen werden und die Preissteigerung berücksichtigt wird.

DIW-Experte Karl Brenke bezeichnet in dem Bericht Arbeitnehmer als "Verlierer" der Entwicklung in den vergangenen Jahren. Denn Selbstständige konnten anders als abhängig Beschäftigte ihre Einkünfte kräftig steigern. Auch Sparer und Anleger hätten höhere Erträge gehabt, die Einkünfte aus Kapitalvermögen seien gestiegen. Eine Erklärung für die Entwicklung liefert der DIW-Experte mit: "Offensichtlich hat die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften nachgelassen."

Wenn die Entwicklung nicht für die Beschäftigten zufriedenstellend war, so soll sie für den Wirtschaftsstandort insgesamt durchaus positiv gewesen sein. Die schwache Lohnentwicklung habe zweifellos Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, hieß es. Andererseits dämpfe es den Konsum, wenn sich Beschäftigte von ihrem Arbeitseinkommen weniger leisten können.

Nach Angaben des DIW können Angestellte jetzt aber hoffen. Denn das Institut geht von einer Wende zu höheren Reallöhnen aus. Als Grund gelten aber nicht besonders kräftige Lohnerhöhungen, vielmehr ist laut DIW die geringe Teuerungsrate die Ursache, dass sich Beschäftigte wieder mehr von ihren Einkommen leisten können.

tko/dpa



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