Studie Strompreise stiegen seit 2005 um mehr als 16 Prozent

Die vielen Erhöhungen summieren sich: Laut einer Studie sind die Strompreise in den vergangenen drei Jahren um 16,6 Prozent gestiegen. Ein Durchschnittshaushalt muss pro Jahr fast 870 Euro für Elektrizität zahlen - allerdings gibt es große regionale Unterschiede.


Heidelberg - Alles wird teurer - doch beim Strom steigen die Preise besonders schnell. Das geht aus einer Untersuchung des Verbraucherportals Verivox hervor. Demnach muss ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden im Jahr 867,62 Euro für seinen Strom ausgeben. Durchschnittlich sind die Strompreise in Deutschland in den vergangenen drei Jahren um 16,6 Prozent gestiegen.

Strompreise in Deutschland: Teurer Osten, günstiger Süden

Strompreise in Deutschland: Teurer Osten, günstiger Süden

Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. Die geringsten jährlichen Stromkosten fallen mit 826,01 Euro in Bayern an. Vergleichsweise günstig ist Strom auch in Berlin mit 827,60 Euro und einer moderaten Preissteigerung von 6,1 Prozent. Ähnlich niedrige Preise gibt es in Hamburg (835,34 Euro) und in Bremen (855,60 Euro).

Extrem viel müssen hingegen die Verbraucher in den neuen Bundesländern für ihren Strom zahlen. Die höchsten jährlichen Stromkosten fallen der Studie zufolge in Thüringen mit 935,70 Euro an. Danach folgen Brandenburg (927,02 Euro), Sachsen-Anhalt (918,48 Euro), Mecklenburg-Vorpommern (915,19 Euro) und Sachsen (906,98 Euro).

Die Gründe für die hohen Kosten in Ostdeutschland liegen Experten zufolge in den hohen Investitionen, die nach 1990 in die Infrastruktur vor Ort geflossen sind und noch nicht vollständig abgeschrieben wurden. Gleichzeitig ist die dortige Stromnachfrage durch Abwanderung gesunken, sodass sich die Kosten auf weniger Abnahmestellen verteilen.

Die höchsten Preissteigerungen seit 2005 gab es laut Verivox in Niedersachsen mit einem Plus von mehr als 25 Prozent. Trotzdem liegen hier die jährlichen Kosten für den Musterhaushalt mit 859,61 Euro noch unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Auch in Sachsen-Anhalt (21,6 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (20,4 Prozent) und Brandenburg (20,3 Prozent) stiegen die Grundversorgungspreise übermäßig stark.

Für den Vergleich wurde ein Musterhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4000 kWh in der Grundversorgung des jeweiligen örtlichen Stromanbieters zugrunde gelegt. Bei der Berechnung wurde die Anzahl der belieferten Kunden pro Versorger berücksichtigt.

Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostromprodukte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als die der ortsüblichen Grundversorger.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
In den meisten Fällen leider nicht. "In vielen Regionen gibt es nur einen Anbieter, der die Betreiber von Nachtspeicherheizungen beliefert", sagt ein Verivox-Sprecher. Durch den mangelnden Wettbewerb kommt es öfter zu überdurchschnittlichen Preiserhöhungen. Im vergangenen Jahr sind beispielsweise in Baden-Württemberg die Preise um bis zu 30 Prozent gestiegen. Die Bundesregierung tut dagegen wenig, denn es ist politisch gewollt, dass stromfressende Nachtspeicherheizungen nach und nach ausrangiert werden.

wal/AP



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