Studie Zu niedrige Löhne kosteten 600.000 Jobs

Maßvolle Lohnabschlüsse, sagen Unternehmen, lassen Geld für Investitionen. Die wiederum schaffen neue Stellen. Stimmt alles gar nicht, sagen die Gewerkschaften - und verweisen auf eine Studie, wonach die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre mehr als eine halbe Million Jobs gekostet hat.


Hamburg - Die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre hat laut einer Studie die Entstehung von mindestens 600.000 Arbeitsplätzen in Deutschland verhindert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

"Die Lohnzurückhaltung kostete Hunderttausende von Arbeitsplätzen. Denn sie hat das Entstehen des Aufschwungs auf Grund der durch sie belasteten Binnennachfrage hinausgezögert", heißt es in der Studie, die die "Berliner Zeitung" veröffentlichte.

Zwar hätten höhere Löhne eine verringerte Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zur Folge. Auf der anderen Seite führten höhere Löhne zu höheren Einkommen und damit auch zu stärkeren Konsumausgaben der Bevölkerung, was sich wiederum positiv auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen auswirke. Der Saldo aus diesen beiden Effekten sei trotz der hohen Exportabhängigkeit der deutschen Wirtschaft positiv.

Die Ergebnisse stehen im Gegensatz zu Untersuchungen arbeitgebernaher Wirtschaftsforschungsinstitute, die darauf verweisen, dass die Lohnzurückhaltung der Vergangenheit den Aufschwung und die Entstehung von Arbeitsplätzen erst ermöglicht habe. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) wies mehrfach auf diesen Effekt hin und fordert deshalb weiterhin maßvolle Tarifabschlüsse.

kaz/dpa-AFX



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