Infografik der Woche Massiv unterschätzt

Freitag wurde der Grundstein für Stuttgart 21 gelegt. Der neue Tiefbahnhof kommt später und wird deutlich teurer. Großprojekte in Deutschland - unsere Infografik zeigt, wie sehr Planer sich verschätzt haben.

Wenn große Projekte aus dem Ruder laufen, sorgt das meist für große Aufregung. Dabei ist es gar nicht ungewöhnlich, dass bei umfangreichen Bauvorhaben die Kosten immer weiter steigen. Besonders prominente Beispiele: Stuttgart 21, der Flughafen BER und die Elbphilharmonie.

Die Infografik der Woche von Statista  und SPIEGEL ONLINE vergleicht, wie sich die Kosten für diese drei Großprojekte entwickelt haben. Einige der Angaben stammen aus einer Studie der Hertie School of Governance in Berlin, für die 170 Vorhaben in Deutschland analysiert wurden. "Für abgeschlossene Projekte beträgt die durchschnittliche Kostensteigerung pro Projekt 73 Prozent", lautet ein ernüchterndes Ergebnis der 2015 veröffentlichten Studie.

Wie es dazu kommt, ist in der Regel schwer auszumachen. Die Autoren der Studie halten eine "Kombination aus technologischen, wirtschaftlichen, politischen und psychologischen Faktoren" für verantwortlich. Darunter seien unvorhersehbare technische Gründe, aber auch Interessenkonflikte, geschönte Kalkulationen und Fälle strategischer Täuschung.

Den Bau von Stuttgart 21 finanzieren unter anderem die Deutsche Bahn, der Bund, das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart. Für das Projekt waren 1998 zunächst umgerechnet 2,5 Milliarden Euro veranschlagt. Heute liegt der Betrag bei 6,5 Milliarden Euro, ein Anstieg um 160 Prozent. Die ursprünglich geplante Eröffnung im Jahr 2021 ist bereits um zwei Jahre verschoben worden.

Für den Berliner Großstadtflughafen BER wurde im September 2006 der erste Spatenstich getan. Seit 2012 ist der Airport bereits fast fertig, aber nicht im Betrieb und verursacht weitere Kosten. Als Hauptursache für die Verzögerungen und die folgende Kostenexplosion führen die Verantwortlichen ein hochkomplexes Brandschutzmeldesystem an, das der TÜV bemängelt hatte.

Das von der Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) verantwortete Projekt sollte zunächst etwa 2,5 Milliarden Euro kosten. Bis 2013 hat sich das veranschlagte Budget mehr als verdoppelt, auf mindestens 5,4 Milliarden Euro. Mit mehr als fünf Jahren Verspätung sollen Ende 2017 die ersten Passagiere abgefertigt werden können.

Mal eben eine halbe Milliarde drauflegen

Ein weiteres Beispiel ist die Elbphilharmonie in Hamburg. Der extravagante Konzertsaal war zwar deutlich günstiger als die Projekte in Stuttgart und Berlin, doch auch hier ist die Kostensteigerung mit fast 150 Prozent beträchtlich. Bei Vertragsabschluss sollte der Umbau des Hafenspeichers nur etwa 352 Millionen Euro kosten, doch bis zur strukturellen Fertigstellung 2014 musste mehr als eine halbe Milliarde Euro draufgelegt werden. Die Eröffnung findet mit sieben Jahren Verspätung im Januar 2017 statt.

Allerdings müssen nicht bei jedem größeren Bauvorhaben die Kosten ausufern. Ein Positivbeispiel ist die Allianz Arena in München. Zwar war die Heimspielstätte des FC Bayern und 1860 München nicht unumstritten, aber die 2005 eröffnete Arena blieb im Kostenrahmen. Gute Schlagzeilen machte das Bauprojekt auch nachträglich, weil der Bau 16 Jahre früher als geplant abbezahlt wurde, wie Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummennige 2014 bekannt gab.


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loe/che