Subventionsstreit EADS-Manager fordert Zugeständnisse von Boeing

Der EADS-Konzern will sich die ständigen Vorhaltungen des Konkurrenten Boeing wegen staatlicher Subventionen für Airbus nicht länger gefallen lassen. Der designierte Co-Chef Thomas Enders geht jetzt zum Gegenangriff über.


Designierter EADS-Co-Chef Enders: "Boeing will uns vom US-Markt fernhalten"

Designierter EADS-Co-Chef Enders: "Boeing will uns vom US-Markt fernhalten"

Berlin/Paris - "Boeing will uns vom US-Markt fernhalten, weil sie wissen, dass wir mit einem überlegenen Produkt kommen", sagte Enders "Welt" am Rande des Pariser Luftfahrtsalons. Der bisherige Vorstand der EADS-Rüstungssparte fordert Zugeständnisse von Boeing Chart zeigen. Zuvor hatte sich der europäische Luftfahrtkonzern seinerseits bereit erklärt, auf zinsverbilligte Kredite für das neue Langstreckenflugzeug A350 zu verzichten, wenn es ein neues Abkommen zwischen Europa und den USA gebe. "Wir sind bereit, auf Anschubhilfen zu verzichten, deshalb sollte sich auch Boeing beweglich zeigen", sagte Enders.

Hintergrund der Attacken von Boeing ist nach Vermutung von Enders ein 100-Milliarden-Dollar-Tankflugzeugauftrag der US-Regierung, der EADS Chart zeigen Zugang zum US-Rüstungsmarkt verschaffen könnte. Boeing wolle dies mit aller Macht verhindern. Boeing und Airbus werfen sich gegenseitig unerlaubte Beihilfen vor. Inzwischen droht ein langwieriges Verfahren vor der Welthandelsorganisation WTO.

"Ich halte es für sinnvoll und realistisch, dass beide Wettbewerber ein Stück von diesem großen Kuchen erhalten. Auch aus Sicht des Auftraggebers wäre es die wirtschaftlich beste Lösung, denn nur Wettbewerb drückt den Preis." Bei der Auswahl eines Entwicklungs- und Produktionsstandortes in den USA befinde sich die EADS in der "heißen Phase". In der Endauswahl seien die Bundesstaaten South Carolina, Alabama, Florida und Mississippi. Eine Entscheidung soll bis 22. Juni fallen.

Enders äußerte sich in dem Interview auch zur aktuellen Führungskrise und zum designierten französischen Co-Chef Noel Forgeard. "Forgeard hat als Airbus-Manager eine beeindruckende Arbeit geleistet. Wir sind beide entschlossen, das Unternehmen erfolgreich zu führen. Ein echtes Vertrauensverhältnis zwischen uns muss sich natürlich erst noch entwickeln, aber ich bin zuversichtlich, dass wir auf dem richtigen Weg dahin sind."

Einer kompletten Integration des französischen Rüstungsherstellers Thales in die EADS erteilte Enders eine Absage. "Eine Gesamtübernahme macht für uns keinen Sinn. Es ist keine gute Strategie, seine Ausrüster aufzukaufen." Allerdings gebe es verschiedene Modelle, wie er sich eine Kooperation mit Thales vorstellen könne.



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