Super-Airbus "Wir beginnen übermorgen"

Die Schlacht um das Hamburger Werksgelände für den Airbus A 380 ist geschlagen, sagt die Hamburger Regierung. Keineswegs, sagen die Gegner des Bauprojektes.

Von Carsten Matthäus


Airbus A380: Hamburg startklar?
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Airbus A380: Hamburg startklar?

Hamburg - Als die Naturschützer drankommen, geht nichts mehr. Im Saal 115 des Hamburger Rathauses ist die Mikrofonanlage abgeschaltet, kaum dass die wichtigen Persönlichkeiten der Stadt ihre warmen Worte für das Jahrhundertprojekt losgeworden sind.

Zuerst verkündete Ortwin Runde, Hamburgs Erster Bürgermeister, seine Freude über die Gerichtsentscheidung. "Das ist der schönste Tag in meiner Karriere", sagte er. Auch mit dem Bundeskanzler habe er schon telefoniert, und der habe sich auch gefreut. Die Worte, dass Hamburg vor einem einmaligen finanziellen Kraftakt stehe, passten nicht so recht zu seinem leutseligen Lächeln. Schon eher der altbackene Satz: "Jetzt gilt es, die Ärmel aufzukrempeln".

Dann kam Thomas Mirow und versuchte es erst gar nicht mit einem Lächeln. Der Wirtschaftssenator, der seine politische Zukunft mit der des Super-Airbus wie kein anderer verknüpft hatte, las seine Erklärung buchstabengetreu ab. "Bereits zum Spätherbst soll eine Teilfläche so hergerichtet sein, dass mit der Bebauung begonnen werden kann", gab er bekannt.

Er wich auch nicht einen Deut von seinem Redetext ab, als er die Gegner ansprach, mit denen er sich in den vergangenen Monaten einen Nervenkrieg geliefert hatte: "...möchte ich an Sie appellieren, sich jetzt mit dem Senat um Möglichkeiten des Ausgleichs von Interessen zu bemühen, anstatt in einem unproduktiven Grundsatzstreit zu verharren". Auf Nachfrage, wann denn nun mit dem Bau begonnen werde, setzte er schmallippig ein "wir beginnen übermorgen" an seine Ausführungen. Noch knapper werden seine Worte, als er nach der Tragfähigkeit des Gerichtsbeschlusses gefragt wird. Das Oberverwaltungsgericht habe sich sehr eingehend mit dem Thema befasst und einen Baustopp könne es nun nicht mehr geben. Punkt.

Ein paar Nachfragen später stehen die regierenden Herren auf und gehen kommentarlos an ihren Gegnern vorbei. Kein Hinweis darauf, dass die Naturschützer auch etwas zu dem Gerichtsurteil sagen wollen, die Mikrofone werden abgestellt. Als sich dann doch ein Techniker des Rathauses findet, der die Anlage wieder in Gang setzt, ist es mit den schönen Worten vorbei.

Nüchtern gestehen Gegner des Projektes, Anwohner und Naturschützer, ihre Niederlage ein. Ohne großen Pathos sagt Herbert Nix vom Förderkreis "Rettet die Elbe": "Wenn erst einmal gebaut wird, dann wird kein Verwaltungsrichter den Rückbau verlangen." Für Samstag wird eine Demonstration angekündigt, bei der aber nur friedlich und symbolisch für die neuen Arbeitsplätze in Finkenwerder gesammelt werden soll. Mit rund 1,3 Milliarden Mark muss die Stadt nach Angaben der Gegner den Ausbau des Montagegeländes fördern. Pro Einwohner bedeute dies rund 1000 Mark und da wolle man schon mal mit dem Sammeln anfangen.

Weniger nett klingt das, was die Juristen vorhaben. "Die Zuschüttung des Mühlenberger Lochs wird nicht realisiert", sagt Rechtsanwalt Peter Mohr und will dafür einige Hebel in Bewegung setzen. Nach der ersten Durchsicht sei der Beschluss des Oberverwaltungsgerichts "unbestimmt und unschlüssig". Mohr beruft sich dabei vor allem auf eines: Man hätte bei Fragen des europäischen Naturschutzes den Europäischen Gerichtshof anrufen müssen. Weil das nicht geschah, überlegen die Juristen nun, das Bundesverfassungsgericht anzurufen.

Die Diskussion um den Riesen-Airbus ist in Hamburg offenbar noch lange nicht zu Ende. Das zeigt sich auch in der Halle des Rathauses. Dort ist ein Modell des Airbus A380 aufgebaut, ihm fehlen allerdings die Flügel.



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