Weltweite Studie Superreiche werden in Coronakrise noch reicher

Vor allem Investments in Technologie und Gesundheitswesen machten sich bezahlt: Laut einer Untersuchung ist das Vermögen der Ultrareichen weltweit in der Pandemie auf einen Rekordwert gewachsen.
Jachthafen in Monaco (Archivbild): 2189 Dollarmilliardäre weltweit

Jachthafen in Monaco (Archivbild): 2189 Dollarmilliardäre weltweit

Foto: VALERY HACHE/ AFP

Ob durch Jobverlust, Kurzarbeit oder fehlende Kinderbetreuung: Viele Menschen treffen die Auswirkungen der Corona-Pandemie auch finanziell hart. Das trifft allerdings auf eine sehr kleine aber extrem solvente Bevölkerungsschicht nicht zu. Das Gesamtvermögen der mehr als 2000 Dollarmilliardäre weltweit stieg bis Ende Juli auch dank der Erholung an den Aktienmärkten auf den Rekordwert von rund 10,2 Billionen Dollar (8,7 Billionen Euro).

Das geht aus Berechnungen der Beratungsgesellschaft PwC und der Schweizer Großbank UBS hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurden. Vor allem Engagements in schnell wachsenden Bereichen wie Technologie und Gesundheitswesen erwiesen sich der Studie zufolge als Treiber.

Das gewaltige Vermögen verteilt sich demnach auf 2189 Männer und Frauen. Die Summe ist in Euro umgerechnet mehr als doppelt so hoch wie die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung von Deutschland als größter Volkswirtschaft Europas (2019: knapp 3,5 Billionen Euro). Berücksichtigt wurden Bargeld, Immobilien, Luxusgüter sowie Aktien und Firmenvermögen. Verbindlichkeiten wurden abgezogen.

In Deutschland stieg das Nettovermögen der Ultrareichen nach einem Einbruch zu Beginn der Corona-Pandemie bis Ende Juli auf 594,9 Milliarden Dollar. Bei der letzten Untersuchung (Stichtag März 2019) waren es 500,9 Milliarden Dollar. Der Klub der Superreichen wuchs seitdem von 114 auf 119 Mitglieder.

Den größten Zuwachs erzielten die deutschen Dollarmilliardäre nach Ausbruch der Pandemie in den Bereichen Technologie (plus 46 Prozent), Gesundheitswesen (plus zwölf Prozent) und Finanzwesen (plus elf Prozent).

Kaum Verluste, dafür langfristige Perspektiven

Traditionell habe es in Deutschland bislang relativ wenig Veränderungen innerhalb der hochvermögenden Kreise gegeben, erläuterte Maximilian Kunkel, UBS-Chefanlagestratege für Deutschland. "Covid-19 beschleunigt nun überdurchschnittlich das Vermögenswachstum in den innovationsgetriebenen Bereichen wie dem Technologie- oder Gesundheitssektor und sorgt damit für eine Verschiebung des Vermögens."

Unternehmer in diesen Bereichen haben nach seinen Angaben in den letzten Monaten unter anderem davon profitiert, dass sich die kurzfristigen Ertragseinbußen in Grenzen hielten, während sich die langfristigen Perspektiven teilweise deutlich verbessert hätten.

In Deutschland liegen wohl die Reimanns ganz vorn

Die reichsten Deutschen dürften nach einer jüngst veröffentlichten Rangliste des "Manager Magazins" die Unternehmerfamilie Reimann mit einem geschätzten Vermögen von 32 Milliarden Euro sein. Auf Platz zwei steht Lidl-Gründer Dieter Schwarz mit einem geschätzten Vermögen von 30 Milliarden Euro. Als Drittplatzierte werden die Geschwister Susanne Klatten und Stefan Quandt genannt, die fast die Hälfte der BMW-Aktien besitzen. Ihr Vermögen sei infolge der Coronakrise um 1,5 Milliarden Euro auf geschätzt 25 Milliarden Euro gesunken.

Allerdings bekamen auch die Superreichen die Turbulenzen zu Beginn der Coronakrise zu spüren, die unter anderem für einen heftigen Kurssturz an den Aktienmärkten sorgte. Vor allem die Wochen unmittelbar nach dem Ausbruch der Pandemie trugen der Studie zufolge dazu bei, dass das weltweite Gesamtvermögen der Milliardäre zwischen März 2019 und April 2020 um rund 6,6 Prozent auf 8 Billionen Dollar schrumpfte.

Die Liste der Superreichen verlor zeitweise 43 Mitglieder. Ab April setzte dann eine Phase der Erholung ein, in der das Gesamtvermögen bis Ende Juli 2020 um rund 28 Prozent stieg.

jok/dpa
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