Steuerskandal Hunderten deutschen HSBC-Kunden droht Strafverfahren

Die Affäre um die Großbank HSBC ist womöglich noch größer als gedacht. Laut Medienberichten könnten fast tausend weitere deutsche Kunden in den Fokus der Steuerfahnder rücken.

HSBC-Bank in Genf: Hunderte deutsche Kunden betroffen
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HSBC-Bank in Genf: Hunderte deutsche Kunden betroffen


Berlin - Deutsche Fahnder sind schon länger Steuerbetrügern auf der Spur, die in der Schweiz die Hilfe der Großbank HSBC in Anspruch genommen haben - bisher sind sie 1136 Fällen nachgegangen. Jetzt dürfte diese Liste deutlich länger werden: Nach Recherchen des internationalen Journalisten-Zusammenschlusses ICIJ finden sich in den Dokumenten insgesamt 2106 Namen mit Bezug zu Deutschland, wie übereinstimmend auch "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR berichten.

Ein Drittel der deutschen Kontoinhaber habe anonymisierte Nummernkonten genutzt, mehr als 200 Kunden besaßen demnach Tarnfirmen, heißt es in dem Bericht. Insgesamt hätten deutsche Kunden etwa 3,3 Milliarden Euro angelegt. Das durchschnittliche Vermögen lag damit bei mehr als 1,5 Millionen Euro.

Die ausgewerteten Dokumente stammen von dem früheren HSBC-Mitarbeiter Hervé Falciani. Er hatte sie entwendet und 2009 an die französischen Steuerbehörden übergeben. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums wurden die Daten 2010 an das Bundeszentralamt für Steuern übermittelt und "unverzüglich" an die zuständigen Finanzbehörden weitergeleitet. Wieso den deutschen Fahndern eine offenbar unvollständige Liste übermittelt worden ist, bleibt unklar.

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) forderte Ermittlungen gegen die Bank wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Er forderte, die Geschäftspraktiken zu untersuchen und gegebenenfalls auch zu bestrafen. "Wir haben dafür alle rechtlichen Möglichkeiten", sagte Gabriel dem Radiosender NDR Info. Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) sprach sich am Dienstag sogar dafür aus, Banken die Lizenz zu entziehen, wenn sie das Geschäftsmodell des organisierten Steuerbetrugs nicht aufgeben.

Das internationale Recherche-Netzwerk ICIJ hatte berichtet, die HSBC habe in der Schweiz Schwarzgeldkonten geführt und von Geschäften mit Waffenhändlern und Schmugglern profitiert. Demnach flossen 2006 und 2007 rund 180 Milliarden Dollar (159 Milliarden Euro) über die Konten des Bankhauses, um Steuern zu hinterziehen, Geld zu waschen oder Terrorismus zu finanzieren. In den ausgewerteten Daten sind dem ICIJ zufolge mehr als 100.000 Kunden aus über 200 Ländern gelistet.

nck/AFP/dpa

insgesamt 106 Beiträge
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Immanuel_Goldstein 10.02.2015
1.
Da Steuerhinterziehung strafbar ist, ist es doch kein Wunder,dass Steuerhinterziehern Strafen drohen, oder? Ich persönlich wäre dafür, solchen Banken generell die Lizenz zu entziehen und das Top-Management zu verhaften. Die Bankster sind dafür voll verantwortlich.
hermes69 10.02.2015
2. Richtig so.
Ich hoffe, dass diese Leute dafür belangt werden.
oteka 10.02.2015
3.
"Wieso den deutschen Fahndern eine offenbar unvollständige Liste übermittelt worden ist, bleibt unklar." weil die liste vorher "bereinigt wurde" A-promis, politiker, etc etc
brooklyner 10.02.2015
4.
Soso, da wurde die Liste wohl umgehend um ein paar hundert Kunden verkleinert. Nur dumm für diese (und die Bereiniger), dass die Frist zur Selbstanzeige ohne grosse Folgen mittlerweile verstrichen ist. Da kommt noch einiges an Interessantem zum Vorschein, da die Presse ja die ganze Liste hat. Erinnert auch an die CD, die die BRD vom CIA bekam mit den aus dem Stasihauptquartier mitgenommenen Agentenlisten, die war natürlich auch schön bereinigt.
bernteone 10.02.2015
5. Gabriel fordert
Lächerlich . es gibt genug deutsche banken die richtig dreck am stecken haben von beihilfe zur steuerhinterziehung bis zur manipulation von allem was sich manipulieren lässt . ich habe nicht gehört das sich auch nur ein bänker dafür vor gericht veantworten mußte . also hr gabriel nicht so populistisch daherreden sondern erst mal vor der eigenen tür kehren . aber das bleibt wohl wunschdenken
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