Swissair-Pleite "Die Großbanken sind die Buhmänner"

Urs Philipp Roth, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schweizerischen Bankiervereinigung, spricht im SPIEGEL-ONLINE-Interview über den schmachvollen Untergang des Nationalsymbols Swissair und die Konsequenzen für die Finanzinstitute.


Zielscheibe des Volkszorns: Die Großbanken UBS und Credit Suisse haben sich im Fall Swissair nicht mit Ruhm bekleckert
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Zielscheibe des Volkszorns: Die Großbanken UBS und Credit Suisse haben sich im Fall Swissair nicht mit Ruhm bekleckert

SPIEGEL ONLINE:

Der Volkszorn der Schweizer richtet sich gegen die Großbanken UBS und Crédit Suisse (CS), die beide auch stark in Deutschland vertreten sind. UBS und CS hätten der Swissair den Geldhahn zugedreht und somit das Nationalsymbol abstürzen lassen. Welche Auswirkungen hat die Imagekatastrophe auf den schweizerischen Bankensektor?

Roth: Ja, die Volksseele kocht, und die Großbanken sind die Buhmänner. Das ist aus heutiger Sicht verständlich. In den nächsten Wochen wird sich aber wieder eine differenzierte Sichtweise durchsetzen. Denn an der großen Krise der Swissair sind ja nicht die Banken schuld, sondern die fehlgeschlagene Expansionsstrategie. Die Terroranschläge vom 11. September in den USA haben der Swissair dann den Rest gegeben.

SPIEGEL ONLINE: Lässt sich der Imageschaden beheben?

Roth: Ja. Wenn die Flieger wieder am Himmel sind. Die Leute müssen sehen: Switzerland works.

SPIEGEL ONLINE: Ist es überhaupt sinnvoll, dass sich Banken auf fremden Geschäftsfeldern wie der Luftfahrt versuchen?

Roth: Die UBS und die CS bewegen sich nicht außerhalb ihres Geschäftsbereichs. Sie geben Kredite auf der Basis ihrer Risikoanalyse. Die Banken wollen ja nicht das Management der Swissair übernehmen.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie das Verhalten der Crédit Suisse und der UBS in Ihrem Verband zur Sprache bringen?

Roth: Nein. Das ist nicht geplant.

SPIEGEL ONLINE: Müssen UBS und CS also keine Konsequenzen fürchten - weder vom Verband noch von der Aufsichtsbehörde, der Schweizerischen Bankenkommission?

Roth: Nur wenn das Bankgesetz verletzt wäre. Das sehe ich aber nicht.

Das Interview führte Jan Dirk Herbermann



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