T-Aktie Kursziel zehn Euro

Die Deutsche Telekom ist nicht mehr en vogue. Nach Merrill Lynch und Goldman Sachs stufte auch Lehman Brothers am Freitag die T-Aktie herunter. Dresdner Kleinwort Wasserstein reduzierte die Gewinnprognosen. Einige Experten halten mittlerweile einstellige Kurse des Papiers für möglich.


Nähert sich dem Allzeit-Tief: Telekom Aktie
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Nähert sich dem Allzeit-Tief: Telekom Aktie

Frankfurt am Main - Die schlechten Nachrichten für die Deutsche Telekom Chart zeigen wollen einfach kein Ende nehmen. Nach einer Abstufung durch die Investmentbank Goldman Sachs war die T-Aktie am Donnerstag auf 13,72 Euro gefallen - ein Verlust von annähernd sieben Prozent. Der Kursverfall setzte sich am Freitagvormittag fort. Das Papier gab zunächst mehr als drei Prozent nach und lag damit nur noch knapp über dem Allzeit-Tief von 13,12 Euro.

"Es gibt einfach nichts Positives zu dem Wert", hatte ein Marktbeobachter bereits gestern gesagt. Der Titel stehe bei hohen Umsätzen unter Druck, und die charttechnische Lage sehe sehr schlecht aus.

Analysten kehren der Telekom den Rücken zu

Am Freitagmorgen stufte Lehman Brothers die Telekom von "Marketperformer" auf "Underperformer" ab. Die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs hatten der Telekom bislang die Stange gehalten, am Donnerstag aber die T-Aktie von "Outperformer" auf "Marketperformer" zurückgestuft, nachdem bereits die Analysten von Merrill Lynch vor wenigen Tagen sogar zum "Reduzieren/Verkaufen" der T-Aktie geraten hatten. Die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein schraubten zudem am Donnerstag ihre Gewinnerwartung für die Telekom zurück.

"Dass einflussreiche Banken ihre Ratings noch auf einem solch niedrigen Kursniveau zurücknehmen, spricht Bände", zitiert die "Welt" einen besorgten Analysten von M.M. Warburg. Sollte die Aktie das Allzeit-Tief von 13,12 Euro nach unten durchbrechen, seien bald auch einstellige Kurse der T-Aktie vorstellbar, zumal die ganze Branche sich in einem gleichgerichteten Abwärtstrend befinde, sagte der Analyst weiter.

Diese Tendenz zeichnete sich am Freitag auch im EuroStoxx50 ab. In ganz Europa gingen Telekommunikationswerte auf Tauchstation. Nokia fielen um 3,40 Prozent. Die spanische Telefonica gab knapp vier Prozent ab. France Télécom notierten zwei Prozent leichter. Der Telekomausrüster Alcatel gab ebenfalls zwei Prozent nach.

Den breiten Ausverkauf der T-Aktie begründete ein Fondsmanager mit einem grundlegenden Sinneswandel bei den Investoren. Es setze sich zusehends die Erkenntnis durch, dass man bei der Telekom nicht mehr investiert sein müsse.

Goldman Sachs hatte seine Schätzungen für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) als auch für den Gewinn je Aktie reduziert. Grundlage hierfür seien die Richtlinien des Telekom-Managements für das erste Quartal sowie das Gesamtjahr 2002 gewesen. Zudem würden die Aktien des Unternehmens im Vergleich zur Gesamtbranche mit einem Aufschlag gehandelt.

Die "Börsen-Zeitung" hatte überdies zuvor berichtet, die Deutsche Telekom müsse im Zahlenwerk für das erste Quartal 2002, das am 22. Mai veröffentlicht wird, eine Einmalbelastung nach US-GAAP in Milliardenhöhe verkraften. Die Telekom werde im Nachgang zu der jetzt von der US-Börsenaufsicht SEC akzeptierten Bilanzierungsregel SFAS 142 eine Änderung der nicht mehr zulässigen Abschreibungen auf US-Mobilfunklizenzen vornehmen, hieß es in dem Bericht. Diese Bilanzierungsregel sei rückwirkend zum 1. Januar 2002 für alle US-Unternehmen in Kraft getreten.

Nach deutscher Rechnungslegung wird sich nach Ansicht von Experten an dem Ergebnis allerdings nichts ändern. Die Bonner bilanzieren nach HGB, erstellen aber als in den USA gelisteter Konzern eine US-GAAP-Überleitungsrechnung.

Psychologische Faktoren belasten

"Die Einmalbelastung bei den Telekom-Töchtern VoiceStream Wireless und Powertel im ersten Quartal in Höhe von 3,8 Milliarden Dollar ist zwar weder steuer- noch cashwirksam, belastet den Wert aber psychologisch", sagte Hans-Peter Kuhlmann von der Baden-Württembergischen Bank AG in Stuttgart. Ähnlich sieht dies Analyst Werner Stäblein von der BHF-Bank in Frankfurt. "Das ist eine rein buchhalterische Belastung", betonte er.

Von vielen Anlegern werde der gegenwärtig niedrige Kurs "wohl wieder als Kaufgelegenheit gewertet", sagte Kuhlmann. Analyst Stäblein vertrat die Auffassung, dass das Papier derzeit tatsächlich unter seinem eigentlichen Wert gehandelt werde. "Dass der Kurs so weit abschmiert, hätte ich nicht erwartet. Unser Kursziel liegt bei 17,50 Euro", sagte er.

Ob die Aktien tatsächlich derzeit günstig sind, wollte ein Münchner Händler nicht mit letzter Bestimmtheit sagen. "Die Aktie ist auf ein Preisniveau gefallen, auf dem sie günstig erscheint", sagte er vorsichtig. "Wenn die TMT-Werte (Technologie, Medien, Telekom) nach oben drehen, ist die Deutsche Telekom auf jeden Fall dabei. Aber den Aufschwung erwarten wir seit einem Jahr, und bislang ist er nicht gekommen." Letztlich hänge die Entwicklung wesentlich vom Aufschwung in den USA ab.



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