T-Online-Börsengang Sommer verspricht faire Aktien-Zuteilung

Es wird fast so sein wie bei der Ziehung der Lottozahlen. Der Chef der Deutschen Telekom, Ron Sommer, will die Aktienzuteilung beim Börsengang der Tochter T-Online unter notarielle Aufsicht stellen. Der Preis für die Papiere wird angeblich höher als erwartet sein.


Zuteilung wie beim Lotto: Ron Sommer
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Zuteilung wie beim Lotto: Ron Sommer

Hamburg - Die Telekom werde die 100 Millionen Aktien für den freien Verkauf ab 3. April zu einer ungewöhnlich breiten Preisspanne von 35 bis 50 Euro anbieten, meldet die "Financial Times Deutschland" (FTD). Das sind rund zehn Euro mehr als von Marktbeobachtern bisher erwartet wurde. Zuletzt hatte es sogar geheißen, die Telekom müsse wegen der schlappen Börsendebüts der Konkurrenten Lycos und World Online den Preis sogar noch weiter herunterschrauben.

Mindestens 50 Prozent der Aktien sollen laut "FTD" an Privatanleger gehen. Auch ein Anteil von 60 Prozent für Kleinanleger sei noch in der Diskussion.

Eine notarielle Prüfung soll beim Börsengang dafür sorgen, dass die Verteilung der Aktien korrekt abläuft, verriet Ron Sommer dem "Stern". Die Zuteilung solle "fair und transparent für alle" zugehen. "Über die Vergabeformel werden wir erst ganz am Ende entscheiden, das ist auch eine Frage des Marketings", sagte Sommer. Beim spektakulären Börsengang der Siemens-Tochter Infineon war wegen des undurchsichtigen Zuteilungsverfahrens erhebliche Unmut bei den Anlegern aufgekommen.

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Ob Infineon, Ision oder bald T-Online - bei vielen Börsengängen bekommt nur ein kleiner Teil der Interessenten wirklich Aktien. Inzwischen wird der Unmut der Anleger über die undurchsichtige Auswahl immer größer. Glauben Sie, dass es bei der Zuteilung immer mit rechten Dingen zugeht?

Wer bei den T-Online-Aktien leer ausgeht, dürfe sich Hoffnung auf den Verkauf weiterer Telekom-Aktien durch den Bund im Juni sowie auf den Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobil im Herbst machen können, so der Konzernchef. "Wir wollen eine Koppelung herstellen."

Im Mai soll die Telekom-Hauptversammlung Kapital genehmigen, das für Firmenübernahmen verwendet werden kann. "Wir brauchen die nötige Papier-Firing-Power", sagte Sommer. "Der Zeitdruck ist da." Die Höhe des Kapitals nannte er nicht.

Der Onlinedienst der Telekom AG erwartet laut "FTD" im laufenden Jahr eine Verdoppelung des Umsatzes auf 800 Millionen Euro, aber weiterhin rote Zahlen. Dabei soll der Anteil der Einnahmen aus elektronischem Handel und Werbung von zehn Prozent auf 30 bis 40 Prozent steigen.

T-Online soll am 17. April mit neun Prozent des Kapitals an die Börse gehen. Die Zeichnungsfrist für die 100 Millionen Aktien läuft vom 3. bis 12. April. Am 16. April muss die Telekom den endgültigen Ausgabepreis nennen.



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