Tabaksteuer Harter Schlag für die Zigarettenhersteller

Die Erhöhung der Tabaksteuer zur Finanzierung der zusätzlichen Belastungen nach dem Terrorangriff in den USA macht der deutschen Zigarettenindustrie sehr zu schaffen. Finanzminister Hans Eichel soll bei der marktschonenden Umsetzung der Steuerbeschlüsse helfen.


Die Marktführer führen einen harten Kampf um ihre Marktanteile
AFP

Die Marktführer führen einen harten Kampf um ihre Marktanteile

Hamburg - "Wir sind selbstverständlich solidarisch mit der Bevölkerung der USA und den Antiterror-Maßnahmen", sagte in München der Sprecher des deutschen Marktführers Philip Morris Chart zeigen, Johannes Graf Esterházy. "Wir fühlen uns aber nicht wohl bei dem Gedanken, dass eine gesellschaftliche Gruppe wie die Raucher die Hauptlast der Finanzierung zu tragen hat, weil es sich um eine Aufgabe der gesamten Gemeinschaft handelt."

Preisdruck bereitet besonders den Marktführern Probleme

Ihre Preisstrategien ab 1. Januar können die drei Marktführer auf dem deutschen Markt - Reemtsma, British American Tobacco (BAT) Chart zeigen und Philip Morris - nun erst einmal in den Papierkorb werfen. Mit der Steuererhöhung sind alle diese Pläne Makulatur. Das trifft die Branche hart, denn sie hat ohnehin mit erheblichen Problemen zu kämpfen, von drohenden Werbeeinschränkungen über Regulierungsmaßnahmen der EU bis hin zur Euro-Einführung.

Auf dem Zigarettenmarkt müssen die Hersteller von teuren Markenprodukten wie Marlboro und West schon seit längerem Rückzugsgefechte führen. Nicht erst seit der letzten Preiserhöhung vor zehn Monaten kaufen die Verbraucher in Deutschland zunehmend preisgünstige Marken von Aldi und anderen Handelsketten. "Die Raucher schauen immer stärker auf den Preis", heißt es bei der BAT in Hamburg. So erhöhte sich der Anteil der Handelsmarken am deutschen Markt seit 1998 von 6,4 auf 13,3 Prozent. Die meistverkaufte deutsche Zigarette, die klassische rote Marlboro, büßte gleichzeitig von 18,1 auf 14,7 Prozent ein. Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht.

Wachstum seit Jahren bei null

Zigaretten und andere Tabakerzeugnisse sind schon heute nach dem Benzin die am zweithöchsten besteuerten Produkte in Deutschland. Fast drei Viertel des Zigarettenpreises gehen an den Fiskus - insgesamt sind das in diesem Jahr mehr als 22 Milliarden Mark. Dennoch kann sich die Industrie nicht beklagen. "Der deutsche Markt zählt vom Volumen und vom Ertrag zu den ergiebigsten Märkten der Welt", heißt es im Geschäftsbericht der BAT.

Er wächst allerdings nicht. Der Absatz von Fabrikzigaretten hat sich seit Jahren wenig verändert und liegt bei 140 Milliarden Stück. Die Deutschen leben gesünder und rauchen weniger; die Ausländer in Deutschland dagegen greifen verstärkt zum Glimmstängel und halten so den Markt stabil.

Preisumstellungen benötigen drei bis vier Monate

Die Unternehmen der Branche wollen nun den Kontakt mit Eichel suchen, um eine marktschonende Umsetzung der Steuerbeschlüsse zu erreichen. Was das heißen kann, ist einstweilen offen. Der Zeitrahmen ist jedenfalls eng: Für die organisatorische Abwicklung einer Preiserhöhung mit Umstellungen der Packungsgrößen und neuen Steuerbanderolen brauchen die Firmen in normalen Zeiten drei bis vier Monate. Sie müssten also sofort anfangen. Bislang aber weiß niemand, was eine Schachtel Zigaretten im nächsten Jahr überhaupt kosten wird.



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