Tabaksteuererhöhung Rauchen wird ab September erneut teurer

Die Preise für Zigaretten steigen ab nächstem Monat erneut - und zwar um etwa 1,2 Cent pro Stück. Während die Hersteller ächzen, könnten sich Schmuggler die Hände reiben.


Die Zigarette: Ab September rund sechs Prozent teurer
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Die Zigarette: Ab September rund sechs Prozent teurer

Hamburg - Am 1. September werden Zigaretten teurer, und das zum fünften Mal seit 2002. Der Bund erhöht die Steuer auf Tabak um 1,2 Cent pro Schachtel. Allerdings geht der Preis pro Packung zurück. Eine Schachtel Marlboro kostet dann nur noch 3,80 Euro, 20 Cent weniger als bisher. Aber in der Packung sind nach Angaben des Marlboro-Herstellers Philip Morris nur noch 17 statt wie bislang 19 Glimmstängel. Die einzelne Zigarette verteuert sich damit um 6,2 Prozent auf 22,35 Cent.

Reemtsma, die deutsche Tochter des britischen Tabakriesen Imperial Tobacco, verfährt mit ihrer Marke West genauso: Der Schachtel-Preis sinkt um 20 Cent runter - auf 3,60 Euro. Dafür gibt's nur noch 17 Zigaretten - zwei weniger. Auch für eine Schachtel der Marke Lucky Strike zahlt der Nikotin-Freund künftig 20 Cent weniger und muss dafür auch zwei Glimmstängel verzichten. Die Automatenpackung bleibt generell bei einem Preis von vier Euro und enthält entweder 19 (West, Lucky Strike) oder 18 (Marlboro) Zigaretten.

Die deutsche Tabakwirtschaft sieht die Steuererhöhung naturgemäß kritisch und befürchtet erneute Einbrüche. Der Verband der deutschen Cigaretten-Industrie (VdC) rechnet für 2005 mit weniger Absatz: nur noch 93,5 Milliarden Zigaretten statt der noch im Juni prognostizierten 98 Milliarden. Trotzdem geht der VdC nicht davon aus, dass viele Menschen wegen der höheren Preise mit dem Rauchen aufhören. Nach einer Untersuchung des Verbandes sind mittlerweile 17 Prozent der in Deutschland konsumierten Zigaretten nicht hier versteuert. Die Menschen suchen Wege, um den deutschen Fiskus zu umgehen. VdC-Sprecherin Andrea Winkhardt sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Viele Raucher konsumieren Schmuggel-Zigaretten."

Zigarettenschmuggel dehnt sich aus

"Der Kunde bestellt die Ware telefonisch oder im Internet und bekommt sie direkt nach Hause geliefert. Praktisch wie beim Pizzaservice." Wolfgang Schmitz, Pressesprecher des Zollkriminalsamtes (ZKA) in Köln, kennt viele Methoden, wie geschmuggelte Zigaretten in Deutschland unter die Menschen gebracht werden. "Die Schmugglerorganisationen haben zunehmend eigene Vertriebsnetze aufgebaut, die ähnliche Abläufe aufweisen wie die Vertriebsstrukturen des legalen Handels", so Schmitz weiter. Immer häufiger fänden die Zollfahnder Zwischenlager, meist in strukturschwachen Gegenden. Von da aus würden die geschmuggelten Waren in die Ballungszentren geliefert und dort auf Flohmärkten, in Gaststätten oder über Verbindungsmänner verkauft.

Zollfahnder: Berge von unversteuerten Zigaretten
FRANK MAECHLER / DPA

Zollfahnder: Berge von unversteuerten Zigaretten

Die Menge der geschmuggelten Zigaretten steigt dabei rapide. Stellten die Zollfahnder im Jahr 2003 noch 399 Millionen Zigaretten sicher, so waren es 2004 schon 418 Millionen Stück. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen ist im laufenden Jahr die Vorjahresmarke von 418 Millionen Beschlagnahmungen bereits im Juni überschritten worden. Die Menge der vom ZKA konfiszierten Zigaretten beläuft sich mittlerweile auf deutlich über 500 Millionen Stück. Einen direkten Zusammenhang zwischen der Tabaksteuererhöhung und dem stetig steigenden Schmuggel kann das Zollkriminalamt jedoch nicht aus seinen Zahlen ablesen.

Trotzdem kommt die Steuererhöhung den deutschen Schmugglern sicher nicht ungelegen. Laut Schmitz ist Deutschland durch seine geografische Lage das Drehkreuz für den Zigaretten-Schmuggel in Europa. Steigen nun die Zigaretten-Preise auf Grund der Steuererhöhung, vergrößert sich die Differenz zu den Preisen geschmuggelter Glimmstängel. Dies macht den Griff zu den konstant billigen, illegal importierten Zigaretten für deutsche Raucher noch attraktiver. Aus Sicht von ZKA-Sprecher Wolfgang Schmitz ist es naheliegend, dass mehr von der Schmuggelware, die in Deutschland ankommt, auch im Land bleibt.

Sebastian Siegloch



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