Tarifkonflikt Bahngewerkschaften im Clinch

Der Kampf der Bahngewerkschaften um die Tarifhoheit ist neu entbrannt: Transnet und GDBA wollen wieder selbst für ihre Lokführer verhandeln - und die GDL außen vorlassen. Diese droht nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen mit neuen Streiks.


Frankfurt am Main - Vor dem Streik am Montag brechen zwischen den Gewerkschaften alte Gräben auf: Wenn die GDL nicht in der Lage sei, einen Tarifvertrag für die Lokführer mit der Bahn auszuhandeln, müssten Transnet und GDBA eben selbst aktiv werden, schreiben die beiden Vorsitzenden von Transnet und GDBA, Norbert Hansen und Klaus-Dieter Hommel, in einem Brief an Bahnchef Hartmut Mehdorn. Sie seien nicht länger bereit, der GDL einen Vorrang einzuräumen. Dem Schreiben zufolge stellen sie der Bahn bis 12. März ein Ultimatum - bis dahin soll ein konkretes Tarifangebot der Bahn auf dem Tisch liegen.

Lokführer der Deutschen Bahn: Streiken für mehr Lohn
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Lokführer der Deutschen Bahn: Streiken für mehr Lohn

Die GDL hatte gestern nach dem Scheitern der Verhandlungen über einen von der Bahn geforderten Grundlagen-Tarifvertrag einen unbefristeten Arbeitskampf angekündigt. Dieser sollte unter anderem festschreiben, für welche Tochterunternehmen die GDL als Tarifpartner auftritt, und sicherstellen, dass die Gewerkschaften gegenseitig ihre Tarifverträge anerkennen. Die GDL sieht darin jedoch eine unzulässige Einschränkung ihrer Unabhängigkeit und verweigerte sich der Kooperation.

Transnet und GDBA werfen der GDL nun mangelnde Bereitschaft vor, dem Tarif-Streit endlich ein Ende zu bereiten - doch genau das würden die Lokführer erwarten. Daher seien sie nicht mehr bereit, eine Bindung des "GDL-Tarifvertrages für unsere Mitglieder hinzunehmen", schrieben sie Mehdorn.

Die Bahn ist jedoch nicht bereit, separat mit GDBA und Transnet zu verhandeln. Der Konzern teilte mit, er wolle weiter an einer Kooperation mit allen drei Gewerkschaften festhalten, um den seit fast einem Jahr schwelenden Tarifkonflikt endlich zu beenden.

GDBA und Transnet vertreten eigenen Angaben zufolge die Interessen von rund 5000 Lokführern, die GDL von 15.000. Deren Chef Manfred Schell sagte der "Süddeutschen Zeitung", er sei zwar bereit, Lohnforderungen mit den anderen Gewerkschaften abzustimmen. Der Streik sei aber notwendig, "weil der Arbeitgeber uns in einen Tarifvertrag drängen will, mit dem wir uns bis zum Jahr 2015 an die anderen Gewerkschaften ketten würden". Damit müsse die GDL alle ihre Rechte opfern. An eine Einigung am Wochenende glaubt Schell nicht: "Für uns steht das bombenfest, dass wir Montag beginnen."

Von 0.00 Uhr an sollen dann alle Züge im Fern-, Güter- und Regionalverkehr stillstehen. Selbst für neue Verhandlungen soll der Arbeitskampf nicht unterbrochen werden. Damit will die GDL die Unterschrift des Konzerns unter den ausgehandelten Lokführer-Tarifvertrag erzwingen. Dieser sieht vor, dass die Lokführer elf Prozent mehr Lohn bekommen.

Schell sieht die Gewerkschaftsbasis "hundertprozentig" hinter sich. "Ich habe keinen Zweifel, dass wir die Mitglieder mobilisiert bekommen." Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge wächst jedoch unter den Lokführern der Widerstand gegen einen neuen Streik. Viele seien unzufrieden, weil die sicher geglaubte Gehaltserhöhung wieder auf der Kippe stehe.

Seit Monaten zieht sich der Tarifkonflikt bei der Bahn schon hin. Eine erste große Streikwelle hatte im Herbst 2007 das Land lahmgelegt.

sil/AP/AFP/ddp/dpa/Reuters



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