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01. Oktober 2007, 07:44 Uhr

Tarifkonflikt

Bahnkunden müssen sich ab morgen auf Streiks einstellen

Lange hatten die Unterhändler verhandelt, doch bereits die Statements in der Öffentlichkeit ließen kaum eine Annäherung erkennen. Der Streik bei der Bahn ist nicht mehr abzuwenden. Schon morgen sollen die ersten Züge still stehen.

Berlin - Eine Verhandlungslösung ist nicht in Sicht – zumal sich der Ton sich am Wochenende noch einmal verschärft hatte. Während der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokführer, Manfred Schell, die "Waffengleichheit" mit der Bahn hervorhob, sprach Bahn-Personalchefin Margret Suckale der Gewerkschaft den Willen zum Kompromiss ab.

Nahverkehrszüge der Bahn: Notfallpläne sollen Zugverkehr sicherstellen
DPA

Nahverkehrszüge der Bahn: Notfallpläne sollen Zugverkehr sicherstellen

Beide Parteien wollten am Vormittag ihre Strategien bekanntgeben, nachdem die Friedenspflicht in der Nacht ausgelaufen ist. Insider der Bahn rechneten für morgen mit ersten Arbeitsniederlegungen. Am Mittwoch, dem Tag der Einheit, soll es nach den Worten Schells keine Streiks geben. Die GDL hatte im Juli den Bahnverkehr mit Warnstreiks mehrmals für Stunden lahm gelegt.

Ein Notfallplan der Bahn soll sicherstellen, dass auch während der Streiks mehr als die Hälfte der Züge fährt. Auf die Frage, ob das Unternehmen mit Aussperrungen auf Arbeitsniederlegungen reagieren werde, antwortete Bahnsprecher Uwe Herz: "Wir behalten uns alle Möglichkeiten vor, Streiks zu verhindern." Suckale warf der GDL im "Handelsblatt" vor, gar nicht an einer Lösung interessiert zu sein. Die GDL "will offensichtlich keinen Kompromiss", sagte sie. Gegen drohende Streiks werde die Bahn bei Bedarf auch wieder gerichtlich vorgehen.

Mehdorn erneuert Angebot

In der "Bild"-Zeitung erneuerte Bahnchef Hartmut Mehdorn noch einmal sein Angebot an die GDL, bei dem rund zehn Prozent mehr Gehalt herauskommen sollen. Der Haken: Die Lokführer müssten dafür Mehrarbeit leisten. Unter dem Strich bliebe der mit den anderen Gewerkschaften erreichten 4,5-prozentigen Tarifabschluss und Verbesserungen bei den Zulagen als echter Lohnzuwachs.

Schell hatte zuvor erklärt, er rechne nicht mit wochenlangen Streiks. "Ich denke, dann wird die Politik irgendwann eingreifen und den Bahnvorstand zur Räson bringen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die GDL fordert einen eigenständigen Tarifvertrag und Verbesserungen bei Arbeitszeit und Entgelt.

Mehr als die Hälfte der Züge soll fahren

Die Bahn will erreichen, dass streikwillige Fahrer erst gar nicht auf die Führerstände gelangen. Einen entsprechenden Bericht des SPIEGEL bestätigte ein Bahnsprecher. Einspringen sollen Lokführer, die den Gewerkschaften Transnet und GDBA angehören, sowie Beamte, die nicht streiken dürfen. So soll sichergestellt sein, dass deutlich mehr als 50 Prozent aller Züge im Nah- und Fernverkehr fahren.

Der Fahrgastverband Pro Bahn empfahl Kunden, die sich am Monatsanfang eine neue Zeitkarte kaufen wollten, genau nachzurechnen. Sprecher Hartmut Buyken sagte, es könnte sich lohnen, den Kartenkauf zu verschieben, wenn sie ohnehin aufs Auto umsteigen müssten.

Die Bahn gibt aktuelle Informationen im Internet sowie unter der kostenlosen Telefonnummer 08000/996633.

mik/AP/Dow Jones

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