Tarifkonflikt bei Volkswagen Arbeitplatzgarantie steht oben auf der Wunschliste

Begleitet von Protesten sind die Tarifverhandlungen für die 103.000 Beschäftigten der sechs westdeutschen VW-Werke heute morgen in die zweite Runde gegangen. Doch so kampfbereit sich die Arbeitnehmer auch geben - ein Kompromiss mit Beschäftigungsgarantie wäre ihnen am liebsten.


VW-Zentrale in Wolfsburg: "Das Thema Beschäftigungssicherung wird Gegenstand der Verhandlungen sein"
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VW-Zentrale in Wolfsburg: "Das Thema Beschäftigungssicherung wird Gegenstand der Verhandlungen sein"

Hannover - IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine machte sein Entgegenkommen vor der Wiederaufnahme der Gespräche von einer tarifvertraglichen Sicherung der VW-Arbeitsplätze abhängig. Er wolle zunächst wissen, ob Volkswagen bereit sei, die Frage der Sicherheit der Arbeitsplätze in einem Tarifvertrag zu regeln, sagte Meine.

Aus Sicht der IG-Metall sei die Sicherung der VW-Arbeitsplätze eine Schlüsselfrage. Man werde versuchen müssen, Kompromisse bei Tariferhöhungen und Arbeitsplatzsicherheit zu erarbeiten. Im Oktober werde es noch mehrere weitere Verhandlungstermine geben, an denen man in Ruhe und handwerklich solide an einem Tarifergebnis arbeiten werde. Man müsse sehen, ob man bis zum Ende Friedenspflicht am Ende des Monats fertig werde.

Auch Volkswagen-Verhandlungsführer Josef-Fidelis Senn signalisierte Gesprächsbereitschaft: "Das Thema Nachhaltigkeit einer Beschäftigungssicherung wird Gegenstand der Verhandlungen sein". Er machte jedoch gleichzeitig die Grenzen deutlich. Um Beschäftigung in Deutschland zu sichern, müsste eine Kostenentlastung in Höhe von 30 Prozent erreicht werden, sagte Senn. "Das werden wir der Gewerkschaft nochmals erläutern."

Volkswagen will in den Verhandlungen eine zweijährige Nullrunde durchsetzen und strebt bis 2011 eine Senkung seiner Lohnkosten in Deutschland um 30 Prozent an. Demgegenüber verlangt die Gewerkschaft eine Lohnerhöhung von vier Prozent und eine Garantie für die 103.000 Arbeitsplätze in den sechs westdeutschen Volkswagenwerken.

Die Einsparungen sind von großer Bedeutung, denn gegenüber den direkten Konkurrenten gerät VW immer stärker ins Hintertreffen. Der Direktor des Gelsenkirchener Center Automotive Research (CAR), Ferdinand Dudenhöffer, bezeichnete in einer heute veröffentlichten Studie den Verkaufsrückgang, hohe Vertriebs- und Produktionskosten sowie die Vermischung von Zulieferung und Automobilproduktion im Wolfsburger Konzern als die wichtigsten Problemfelder.

Nach Dudenhöffers Einschätzung steigen die Vertriebskosten des VW-Konzerns im laufenden Jahr auf 8,75 Milliarden Euro. Einen Vergleichswert aus dem Vorjahr nannte er nicht. Der schwache Markt in Deutschland und zu hohe Preise für die "Brot und Butter-Modelle" wie den Golf schlügen auf die Vertriebskosten durch. Wegen der starken Verkaufsrückgänge des Golf müsse VW den Absatz in Deutschland und in den USA mit hohen Verkaufsanreizen unterstützen. Die Vertriebskosten würden daher größtenteils durch Margenverluste beim Golf beeinflusst.



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