Tarifkonflikt der Lokführer Wochenende und Montag bleiben streikfrei

Im Tarifstreit bei der Bahn will die Gewerkschaft der Lokführer bis einschließlich Montag auf Streiks verzichten. Legt das Unternehmen bis Dienstagmittag kein neues Angebot vor, drohen weitere Streiks.

Frankfurt am Main - Entwarnung für die Wochenendpendler, die mit der Bahn unterwegs sind: Bis Montag werde es keine neuen Arbeitskampfmaßnahmen geben, sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert nach Beratungen der Gewerkschaftsspitze. Weiterhin offen hält sich die GDL einen Einspruch gegen die Entscheidung des Arbeitsgerichts Chemnitz. Dieses hatte nur Streiks im Regionalverkehr zugelassen, nicht aber im Güter- und Fernverkehr. Seibert sagte, nach Eingang der Begründung werde das Urteil entsprechend geprüft. Gewerkschaftschef Manfred Schell hatte zuvor in der ARD erklärt, die Gewerkschaft werde das Landesarbeitsgericht anrufen.

Nach dem dreistündigen Streik heute Morgen hatten die Lokführer ihre Arbeit am späten Vormittag wieder aufgenommen. Der Ausstand hatte heute Morgen bundesweit große Teile des Bahnverkehrs blockiert. Nach Angaben der Bahn fuhren nur zwei Drittel der 750 Fernverkehrszüge und bis zu 50 Prozent der 19.000 Regionalzüge planmäßig. Trotzdem müssten Bahn-Reisende wegen des Streiks noch den gesamten Freitag über mit Einschränkungen rechnen.

Das Arbeitsgericht Chemnitz hatte in der Nacht über den Streik entschieden. Wegen des späten Zeitpunkts hatte die Bahn trotz des teilweisen Streikverbots einen umfassenden Notfahrplan in Kraft gesetzt, der den gesamten Bahnverkehr betraf. Der Streik war für die Zeit von 8 bis 11 Uhr angekündigt.

Der Konzern verteidigte die Erarbeitung des Notfahrplans. "Wir haben so entschieden, wie es für den Kunden am besten ist", sagte der stellvertretende Sprecher für den Personenverkehr, Achim Stauß, in Berlin. Mit dem Notfahrplan sei eine Planbarkeit für die Kunden gewährleistet worden. Stauß wies darauf hin, dass dieser Fahrplan bis in die Nacht zum Samstag gelten werde, also weit über das geplante Ende der Streikaktion um 11 Uhr hinaus. Er bezifferte die Verluste im Personenverkehr pro Streiktag auf etwa eine Million Euro.

Immer schriller wird der Ton zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft. Bahn-Personalchefin Margret Suckale erklärte im ARD-Morgenmagazin, die Bahn habe sich auch auf längere Streikmaßnahmen vorbereitet. GDL-Chef Manfred Schell warf der Bahn in derselben Sendung vor, sich nicht an die Vereinbarung mit den Mediatoren gehalten zu haben, einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer auszuhandeln. Dies sei eine "arglistige Täuschung".

Bahn-Sprecher Oliver Schumacher reagierte mit scharfen Worten auf das Interview: "Außer Beschimpfungen und Beleidigungen fällt Herrn Schell offensichtlich nichts mehr ein", erklärte er. Er verwies auf den Vorwurf Schells, Bahn-Chef Hartmut Mehdorn habe in der vergangenen Woche die Vertraulichkeit eines Vier-Augen-Gesprächs gebrochen. "Jedermann kann nachlesen, dass es Herr Schell war, der wenige Stunden nach dem Treffen mit Herrn Mehdorn an die Öffentlichkeit gegangen ist und die Medien selbst über dieses 'Geheimtreffen' informiert hat. Jetzt der DB-Spitze einen Vertrauensbruch vorzuwerfen, ist grotesk", erklärte Schumacher.

Nach Angaben der GDL drängten Bahnmitarbeiter streikende Lokführer aus dem Frankfurter Hauptbahnhof - darunter auch GDL-Chef Schell. Die Lokführer seien aufgefordert worden, das Gelände zu verlassen, sagte der GDL-Bezirksvorsitzende und Streikleiter Alfred Schumann. Zudem sei mit dem Einsatz der Polizei gedroht worden. Die GDL sprach von einem Hausverbot. Die gut 20 Streikenden hätten daraufhin das Gebäude verlassen.

Betroffen von dem Streik war das gesamte Bundesgebiet. Ein Bahnsprecher in Stuttgart sagte am Vormittag, dort seien schon am Morgen im Nahverkehr zwei S-Bahn-Linien komplett ausgefallen. Von den Einschränkungen seien aber auch die ICE-Verbindungen von Stuttgart in Richtung Karlsruhe und nach München betroffen gewesen. An normalen Werktagen benutzen den Angaben zufolge rund 330.000 Pendler die S-Bahn im Großraum Stuttgart.

In Bayern fielen jeder dritte Fernzug und jede zweite Regional- und S-Bahn aus. Die S-Bahnen verkehrten nur alle 40 oder 60 Minuten, die Regionalzüge nur alle zwei Stunden.

Auch Hamburg war stark betroffen. Viele Menschen stiegen auf dem Weg zur Arbeit auf Busse um. Es bildeten sich lange Schlangen an den S-Bahn-Haltestellen.

Im Berliner S-Bahn-Netz galt seit 4 Uhr morgens ein Ersatzfahrplan. Der reguläre Betrieb konnte laut Bahn nach 8 Uhr zu weniger als 60 Prozent aufrechterhalten werden. Auf den meisten Strecken fuhren die Züge im 20-Minutentakt, auf wenigen auch nur im Stundentakt. Einzelne Bahnhöfe wurden am Morgen gar nicht angefahren.

kaz/mik/AP/dpa/Reuters


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