Tarifkonflikt Keine Massenkündigung in finnischen Krankenhäusern

Einigung kurz vor knapp: Die finnische Krankenschwesterngewerkschaft hat im Tarifkonflikt eingelenkt und ein Schlichtungsangebot angenommen. Damit bleibt die angekündigte Massenkündigung von mehr als einem Drittel der Pflegekräfte aus.

Helsinki - Es war eine Einigung im letzten Augenblick: Die finnische Pflegepersonal-Gewerkschaft Tehy und Vertreter der Gemeinden haben sich heute auf einen Tarifvertrag mit vierjähriger Laufzeit geeinigt - und damit die für heute angekündigte Massenkündigung gerade noch abgewendet. Das teilte Tehy heute mit, machte jedoch zunächst keine genaueren Angaben zum Inhalt des Vertrags.

Allerdings ist der Wirtschaftszeitung "Turun Sanomat" zufolge eine Gehaltserhöhung um 20 Prozent vorgesehen. Die Einigung sollte im Laufe des Tages den Gewerkschaftsgliederungen und der Tarifkommission zur Abstimmung vorgelegt werden. Deren Entscheidung wird bis zum frühen Abend erwartet. Im Tarifkonflikt zwischen Pflegepersonal und Krankenhausverwaltung hatten rund 16.000 Pflegekräfte angekündigt, dass sie um Mitternacht kollektiv kündigen würden, sollten ihre Forderungen in dem Tarifstreit nicht erfüllt werden.

Die Krankenschwestern hatten 24 Prozent mehr Gehalt und damit überdurchschnittliche Einkommenssteigerungen verlangt. Ihre Forderungen und auch ihre Drohung mit Massenkündigungen als Arbeitskampfmittel sind laut Umfragen in der Bevölkerung populär, weil das Pflegepersonal im Gesundheitssektor als unterbezahlt gilt.

Die Krankenhäuser hatten sich seit Wochen durch Verschiebung von Operationen, Entlassung nicht akuter Patienten und andere Maßnahmen auf den Ausfall von bis zu 50 Prozent der Krankenschwestern an manchen Stationen eingestellt. Finnlands Parlament beschloss zum Wochenende per Sondergesetz eine Dienstverpflichtung, mit der die Schwestern gezwungen werden sollten, trotz Kündigung zu arbeiten.

Tehy vertritt 125.000 Mitglieder, bei denen es sich zu mehr als 90 Prozent um Frauen handelt, hauptsächlich Krankenschwestern, Hebammen, Physiotherapeutinnen und Laborantinnen, aber auch Sozialarbeiterinnen. Die bisherigen Angebote der für die öffentlichen Krankenhäuser zuständigen Gemeinden hatte die Gewerkschaft als ungenügend zurückgewiesen. Ihr zufolge liegt das Gehalt der Pflegekräfte in Finnland bei 83 Prozent dessen, was im Durchschnitt in den Ländern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) verdient wird.

sam/AFP/dpa