Tarifkonflikt Kooperation der Bahngewerkschaften geplatzt

Alle Zeichen stehen auf Streik: Die Bemühungen der drei Gewerkschaften Transnet, GDBA und GDL für eine Zusammenarbeit bei der Bahn sind geplatzt. Vorerst wird es keine Kooperationsvereinbarung geben.


Berlin - Ab Montag wird gestreikt - soviel scheint sicher. Ein Treffen der drei Bahngewerkschaften, um den Streik doch noch abzuwenden, ist heute gescheitert. Das bestätigte die Transnet in Berlin. Das Treffen wurde als letzter Versuch gewertet, sich auf die bislang umstrittene Kooperationsvereinbarung zu einigen, hieß es. Laut "Bild"-Zeitung hatte auch der GDL-Vorsitzende Manfred Schell daran teilgenommen.

ICE: Ab Montag bundesweite Streiks im Fern-, Nah- und Güterverkehr
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ICE: Ab Montag bundesweite Streiks im Fern-, Nah- und Güterverkehr

Die GDL sei nicht bereit gewesen, in irgendeiner Form auf Verhandlungen über die vereinbarte Kooperationsvereinbarung einzugehen, sagte ein Sprecher der GDBA. Damit seien weitere Gespräche überflüssig geworden. Transnet und GDBA forderten die Bahn auf, jetzt kurzfristig Tarifverhandlungen für einen Lokführer-Tarifvertrag mit beiden Gewerkschaften zu führen. Die GDL vertritt rund 10.000 Lokführer, Transnet und GDBA etwa 5000.

Bisher waren alle Versuche gescheitert, zwischen der Lokführergewerkschaft GDL sowie den beiden größeren Gewerkschaften Transnet und GDBA, Regeln für eine Zusammenarbeit zu fixieren. Die Kooperationsvereinbarung sah vor, dass die GDL künftig den Tarifvertrag für die Lokführer aushandeln sollte. Transnet und GDBA sollten für das restliche Fahrpersonal sprechen. Die Tarifverträge für die einzelnen Berufsgruppen sollten sich dann in einem übergreifenden Dachtarifvertrag einfügen. So sollte gewährleistet werden, dass die GDL - wie von ihr gefordert - einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer aushandeln darf.

Doch nach dem geplatzten Treffen scheint eine Einigung in weiter Ferne. Ab Montag 0 Uhr will die GDL streiken. Bundesweit sollen unbefristet Nah-, Fern- und Güterverkehr stillstehen. Selbst für neue Verhandlungen soll der Arbeitskampf nicht unterbrochen werden.

Damit will die GDL die Unterschrift des Konzerns unter den ausgehandelten Tarifvertrag für die 20.000 Lokomotivführer erzwingen. Diese sollen danach eine Einmalzahlung von 800 Euro sowie eine stufenweise Anhebung ihrer Bezüge um durchschnittlich elf Prozent erhalten und eine Stunde weniger arbeiten.

Wie auch in den vergangenen Monaten prüft die Deutsche Bahn angeblich, einen neuen Streik der Lokführer gerichtlich verbieten lassen. Juristen prüften derzeit, welche Arbeitsgerichte angerufen werden sollen, um die Streikpläne der GDL zu vereiteln, berichtet das Bielefelder "Westfalen-Blatt". Nach Ansicht der Bahn liege überhaupt kein Streikgrund vor, da die Tarifverhandlungen im Grundsatz abgeschlossen werden könnten.

sil/dpa/AP



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