Tarifkonflikt Warnstreiks legen deutsche Seehäfen lahm

Im Seehandel herrschen wegen der Coronapandemie und Chinas Lockdowns chaotische Zustände. Nun könnten weitere Probleme dazu kommen: Deutschlands Hafenarbeiter wollen die Arbeit niederlegen.
Hamburger Hafen

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Daniel Reinhardt / dpa

Wegen eines Warnstreiks der Hafenarbeiter an Deutschlands großen Seehäfen drohen am Donnerstag bei der Abfertigung der Schiffe erhebliche Verzögerungen. Die Gewerkschaft Ver.di will mit den mehrstündigen Arbeitsniederlegungen den Druck auf den Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) bei der dritten Tarifrunde an diesem Freitag in Hamburg erhöhen.

Betroffen von den Warnstreiks sei die Spätschicht in den Häfen Hamburg, Emden, Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven. Wegen des hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrads der Hafenarbeiter – rund 70 Prozent sind in der Gewerkschaft – rechnen Beobachter mit großen Auswirkungen auf das Laden und Löschen der Schiffe. Die Arbeitgeberseite hält die Warnstreiks für verantwortungslos und inakzeptabel.

Gewerkschaft will Inflationsausgleich

Nach Ver.di-Angaben treffen sich die Warnstreikenden in Hamburg ab 15 Uhr am Containerterminal Burchardkai (CTB) zu einer zentralen Streikversammlung, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Gewerkschaft Ver.di verlangt für die rund 12.000 Beschäftigten in den 58 tarifgebundenen Seehafenbetrieben in Hamburg, Niedersachsen und Bremen unter anderem einen nicht näher bezifferten »tatsächlichen Inflationsausgleich« sowie eine Erhöhung der Stundenlöhne um 1,20 Euro. Die Arbeitgeberseite bietet bislang eine Anhebung in zwei Schritten an: in diesem und im nächsten Jahr 3,2 und 2,8 Prozent mehr Geld sowie Einmalzahlungen von insgesamt 600 Euro.

Die Hafenbetriebe sind derzeit infolge der Coronapandemie und dem damit verbundenen weltweiten Chaos bei der Containerschifffahrt extrem belastet. Gestörte Lieferketten mit teils wochenlangen Verspätungen der Containerriesen haben dazu geführt, dass es in den Häfen kaum noch Stellplätze gibt, da Container nun zwischengelagert werden müssen, die sonst binnen wenigen Stunden weitertransportiert werden. Auf der anderen Seite warten immer mehr Schiffe auf ihre Abfertigung und stauen sich bereits in der Deutschen Bucht.

beb/dpa
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