Tarifrunde 2002 IG Metall verkündet das Ende der Bescheidenheit

Der Vorstand der IG Metall berät am Montag in Frankfurt über die Forderung für die Tarifrunde 2002. Fest steht bereits, dass die Gewerkschaft die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre aufgeben will.


Geld in den Taschen der Arbeitnehmer ist gut für die Konjunktur: IG-Metall-Vize Jürgen Peters
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Geld in den Taschen der Arbeitnehmer ist gut für die Konjunktur: IG-Metall-Vize Jürgen Peters

Berlin/Frankfurt am Main - Nach Beschlüssen in verschiedenen Bezirken wird erwartet, dass die Gewerkschaftsführung Lohnerhöhungen von fünf bis sieben Prozent vorschlagen wird. Die Laufzeit des Tarifvertrages soll bei zwölf Monaten liegen. Die Empfehlung soll am Nachmittag bekannt gegeben werden.

IG-Metall-Vize Jürgen Peters sagte zuvor im ZDF-"Morgenmagazin", die Gewerkschaft werde in der Tarifpolitik die Zurückhaltung der vergangenen Jahre aufgeben. Die meisten Unternehmen hätten gute wirtschaftliche Ergebnisse erzielt. Dies würden auch die Beschäftigten merken und letztlich nur an dem teilhaben wollen, was sie erarbeitet hätten.

Die Lohnzurückhaltung der letzten Jahre habe nicht, wie von den Arbeitgebern angekündigt, zu mehr Arbeitsplätzen geführt, sagte Peters weiter. Bei der zurzeit herrschenden Nachfrageschwäche in der Binnenkonjunktur sei es im Gegenteil wichtig, den Arbeitnehmern mehr Geld zur Verfügung zu stellen. "Die Kaufkraft der Leute muss gestärkt werden, damit die Nachfrage wieder funktioniert. Wenn nachgefragt wird, wird produziert und dann haben die Leute Beschäftigung", sagte Peters.

Die Arbeitgeber haben Lohnforderungen von bis zu sieben Prozent bereits als überzogen abgelehnt. Der zweijährige Tarifvertrag für die 3,6 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie läuft Ende Februar 2002 aus. Das endgültige Forderungspaket wird der IG-Metall-Vorstand am 29. Januar beschließen.

DIW sieht "milde Rezession"

Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, erklärte im ZDF-"Morgenmagazin", die Gewerkschaften dürften nicht außer Acht lassen, dass sich die Bundesrepublik immer noch in einer "milden Rezession" befinde. Angesichts des für 2002 zu erwartenden Wirtschaftswachstums von weniger als einem Prozent seien jetzt angemessene Lohnforderungen sinnvoll. Die Forderungen der IG Metall könnten insofern eine falsche Signalwirkung auf andere Gewerkschaften haben. Zimmermann räumte ein, dass einzelne Arbeitgeber wie etwa Porsche in der Lage wären, den Beschäftigten höhere Löhne zu zahlen als andere. Dies sollte sich aber nicht in einem Flächentarifvertrag, sondern in Öffnungsklauseln und regionaler Differenzierung niederschlagen.

Das für Personal zuständige DaimlerChrysler-Vorstandsmitglied Günther Fleig wandte sich in der "Berliner Zeitung" gegen die von der IG Metall erwartete Lohnforderung. Diese widerspreche aller ökonomischen Vernunft, sagte er. Die Lohnerhöhungen sollten nicht über dem gesamtwirtschaftlichen Produktivitätszuwachs liegen.



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