Tarifrunde Beck fordert kräftige Lohnerhöhungen - nur nicht im öffentlichen Dienst

SPD-Chef Beck hat sich für deutliche Einkommenserhöhungen in der Privatwirtschaft ausgesprochen. Nach Jahren des Realverlustes und angesichts prächtiger Unternehmensgewinne sei das angemessen. Für den öffentlichen Dienst lehnt er hohe Tarifforderungen allerdings ab.


Hamburg - Geld generös zu verteilen ist am einfachsten, wenn es nicht das eigene ist. Das weiß auch ein routinierter Politiker wie der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck. "Wir haben Jahre mit Reallohnverlusten in vielen Wirtschaftszweigen hinter uns", stellte er ganz richtig in der "Bild am Sonntag" fest. Gleichzeitig hätten "die Unternehmen ihre Gewinne gesteigert". Deshalb sei er zuversichtlich, "dass die Tarifparteien den richtigen Weg finden und in einer Reihe von Branchen deutliche Lohnerhöhungen vereinbaren".

Arbeiter bei Porsche in Stuttgart: "Deutliche Lohnerhöhungen in einer Reihe von Branchen"
DPA

Arbeiter bei Porsche in Stuttgart: "Deutliche Lohnerhöhungen in einer Reihe von Branchen"

Nur für die Branche, in der Beck selbst quasi als Arbeitgeber fungiert, soll das nicht gelten: für den öffentlichen Dienst. Dort "haben wir keine Verteilungsspielräume, die mit erfolgreichen Wirtschaftszweigen vergleichbar wären", so Beck. Dazu käme noch die Belastung durch die Altschulden.

Insgesamt geht der SPD-Chef von einer positiven Wirtschaftsentwicklung aus. "Experten rechnen für dieses Jahr mit einem Wachstum von 1,7 Prozent. Ich erwarte, dass auch 2008 in Deutschland neue Jobs entstehen." Für Job-Angst gebe es bei realistischer Betrachtung keinen Grund.

Eine Absage erteilte Beck allerdings hohen Tarifforderungen im öffentlichen Dienst. "Im öffentlichen Sektor haben wir keine Verteilungsspielräume, die mit erfolgreichen Wirtschaftszweigen vergleichbar wären. Dazu ist die Belastung durch Altschulden zu groß."

Am Donnerstag gehen die Tarifverhandlungen für die rund 1,3 Millionen Angestellten des Bundes und der Kommunen in die zweite Runde. Die Gewerkschaft Ver.di und der Beamtenbund fordern acht Prozent mehr Lohn und Gehalt.

Nach SPIEGEL-Informationen hat sich das Bundesfinanzministerium auf eine Tariferhöhung von bis zu vier Prozent eingestellt. Darauf deutet die Höhe der im Haushalt vorgesehenen Personalausgaben von 26,8 Milliarden Euro hin.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hatte mehrfach dafür plädiert, die Beschäftigten im öffentlichen Dienst von der besseren Haushaltslage profitieren zu lassen. Der öffentliche Dienst habe sehr stark zu den besseren Haushaltszahlen beigetragen, und das sollte in den Tarifverhandlungen gewürdigt werden, sagte der SPD-Politiker.

wal/AP/ddp/Reuters



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double_pi, 06.07.2007
1.
man sollte mehr beteiligung am gewinn für die mitarbeiter zulassen! dann wäre die diskussion um ständige lohnpreiserhöhungen hinfällig!
jinky, 06.07.2007
2.
Zitat von sysopDie Wirtschaft brummt, die Gewinne der Unternehmen steigen. Können jetzt auch die Arbeitnehmer mehr Geld verlangen - oder würde das den Aufschwung gefährden?
Ist doch ganz einfach: In der Rezession müssen Arbeitnehmer weniger Geld akzeptieren, weil alles sonst noch schlechter wird. Im Aufschwung dürfen sie nicht mehr Geld verlangen, weil alles sonst wieder schlechter wird. Michel aus Lönneberga stellte in ähnlicher Situation die Frage: "Wenn ich kein Geld habe, KANN ich keine Limonade trinken. Wenn ich welches habe, DARF ich keine Limonade trinken. Wann also SOLL ich Limonade trinken?" Aber das war ja auch ein kleiner Junge, der keinerlei Ahnung von gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen hatte, nicht wahr?
Gast100100, 06.07.2007
3.
Wenn man jahrzehntelang Wohltaten in der Politik bestellt braucht man sich nicht zu wundern wenn irgendwann die Rechnung kommt. Die Deutschen haben kein Brutto sondern ein Netto-Problem.
affordable, 06.07.2007
4.
Zitat von Gast100100Wenn man jahrzehntelang Wohltaten in der Politik bestellt braucht man sich nicht zu wundern wenn irgendwann die Rechnung kommt. Die Deutschen haben kein Brutto sondern ein Netto-Problem.
Aber Sie wollten an dieser Stelle nicht Frau merkel zitieren? ;-)
exi, 06.07.2007
5.
Zitat von sysopDie Wirtschaft brummt, die Gewinne der Unternehmen steigen. Können jetzt auch die Arbeitnehmer mehr Geld verlangen - oder würde das den Aufschwung gefährden?
... schlechte Bezahlung produziert 'Dienst nach Vorschrift' und würgt jede Produktion schneller ab als eine ehrliche Entlohnung. Und wo soll denn überhaupt ein Problem sein? Deutschland geht es so gut, daß sich die Manager eine 30% Lohnsteigerung erlauben konnten. Da ist es nur recht und billig, wenn auch die Arbeiter eine 30% Steigerung bekommen.
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