Tarifstreit an Unikliniken Ärzte drohen mit Dauerstreik im Wochen-Wechsel

Der Marburger Bund hat für die kommende Woche eine Ausweitung der Streiks an den Uni-Kliniken angekündigt. Zudem drohen die Ärzte damit, künftig im wöchentlichen Wechsel die Arbeit niederzulegen. In Hamburg zeichnet sich hingegen eine Annäherung ab.


Berlin – Wegen der festgefahrenen Tarifverhandlungen solle der Streik wieder voll aufgenommen werden, teilte der Marburger Bund am Abend in Berlin mit. Demnach wollen die Mediziner jetzt immer für eine Woche streiken und eine Woche pausieren, bis die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) mit der Gewerkschaft wieder über einen eigenen Ärztetarifvertrag verhandelt.

Arbeitgeber-Vertreter Hartmut Möllring hatte die Wiederaufnahme von Verhandlungen mit dem Marburger Bund abgelehnt und auf den Tarifvertrag verwiesen, den die TdL mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ausgehandelt hatte. Diesen Tarifvertrag wolle sich der Marburger Bund jedoch nicht überstülpen lassen, betonte ein Sprecher der Ärztevereinigung. Am Dienstag nächster Woche sollen Protestaktionen der Ärzte in München und Hannover stattfinden.

Die geplante Ausweitung der Streiks hat möglicherweise auch Auswirkungen auf die Fußball-Weltmeisterschaft. "Die Notfallpläne, die die Bundesregierung gemeinsam mit den Kliniken vor Ort vereinbart hat, sind jetzt zu hinterfragen", sagte der Sprecher des Marburger Bundes, Athanasios Drougias, am Mittwochabend der Nachrichtenagentur AP. Im Ernstfall könnten diese Pläne nicht mehr funktionieren.

Gewerkschaftschef Frank Ulrich Montgomery betonte jedoch, dass die Notfallversorgung in den Unikliniken aufrechterhalten werde. "Unser Streik ist ein Streik gegen die Arbeitgeber und nicht gegen die Patienten", sagte er. Mit den Erlösverlusten für die Unikliniken wolle man die "massive Ignoranz" der TdL und ihres Vorsitzenden Hartmut Möllring brechen. Der Marburger Bund will ab der kommenden Woche in 40 Unikliniken und Landeskrankenhäusern streiken.

Einigung in Hamburg in Sicht

In Hamburg haben sich die Klinikärzte nach Angaben des Marburger Bundes mit dem Krankenhaus-Arbeitgeberverband KAH auf einen so genannten Vorschalttarifvertrag verständigt. "Das ist mit Sicherheit ein Durchbruch der Vernunft", sagte Gewerkschaftschef Frank Ulrich Montgomery in Magdeburg. Die Hamburger Einigung beinhaltet dem Marburger Bund zufolge eine normale wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden. Darüber hinaus habe der Einzelne verschiedene Wahlmöglichkeiten, seine Arbeitszeit individuell auszugestalten. So könnten die Ärzte alternativ bis zu 48 Stunden Vollarbeit wählen oder sich für eine Kombination aus Vollarbeit und Bereitschaftsdienst entscheiden. Künftig sollen Arbeitszeiten elektronisch dokumentiert werden.

Zunächst müssten die Arbeitgeber in ihren Gremien beraten. Beide Seiten haben jetzt bis zum 2. Juni Zeit, das Verhandlungsergebnis zu bestätigen. Sollten sich die Hamburger Tarifparteien tatsächlich einigen, wäre dies allerdings nicht zwangsläufig ein bundesweites Signal für ein Ende der Streiks – in jedem Land wird getrennt verhandelt.

reh/AP/dpa



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