Tarifstreit Bahn-Vorstand kündigt neues Angebot an

In die Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn kommt Bewegung. Einem Zeitungsbericht zufolge will der Logistik-Konzern seinen Mitarbeitern am Freitag ein neues Angebot vorlegen - und dabei einen Großteil der Forderungen erfüllen.


Berlin - Norbert Hansen spricht von weitreichenden Zugeständnissen: "Wir werden in diesem Angebot auf alle Forderungen der Gewerkschaften eingehen", sagte der Bahn-Personalvorstand der "Welt". Einen Teil werde die Bahn voll erfüllen, andere zum Teil. Der Zeitung zufolge wollen sich die Arbeitgeber sowohl beim Thema Arbeitszeit als auch bei den Lohnforderungen bewegen.

Bahn-Personalvorstand Hansen (l.), Transnet-Chef Alexander Kirchner: Rund 400 Mitarbeiter folgten dem Aufruf zum Streik
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Bahn-Personalvorstand Hansen (l.), Transnet-Chef Alexander Kirchner: Rund 400 Mitarbeiter folgten dem Aufruf zum Streik

Konkret wollte die Bahn den neuen Spielraum nicht beziffern. Im Gesamtvolumen - also in der Summe aus Lohnaufbesserung und Arbeitszeiterleichterungen - soll nach Informationen von SPIEGEL ONLINE jedoch ein deutlich höheres Angebot herauskommen.

Die Verhandlungen gestalten sich kompliziert, weil die Arbeitssituation der einzelnen Konzerneinheiten jeweils sehr unterschiedlich und entsprechend schwierig unter einen Hut zu bringen sind.

Am morgigen Freitag gehen die Tarifverhandlungen in Frankfurt am Main in die nächste Runde. Zu den Lohnforderungen sagte Hansen, der früher als Transnet-Chef für die Gewerkschaften verhandelt hatte: "Wir können da noch etwas drauflegen, aber der Spielraum ist dabei nicht mehr sehr groß." Die Gewerkschaften müssten entscheiden, wie die Gewichtung zwischen Arbeitszeitverbesserungen und Lohnzuschlägen sein solle. "Die Arbeitsgruppen der Arbeitgeber und -nehmer haben bereits in einigen Punkten Übereinstimmungen erreicht. Nach unserem neuen Angebot sehe ich keinen Anlass mehr für weitere Warnstreiks", sagte Hansen.

Am Donnerstag waren rund 400 Bahnmitarbeiter dem Aufruf der Gewerkschaften Transnet und GDBA zu Warnstreiks gefolgt. Die meisten von ihnen traten in Nürnberg und München in den Ausstand, aber auch in Köln und Hamburg gab es größere Streikaktionen. Zu den schwersten Behinderungen kam es im Süden Deutschlands, wo 36 Regional- und sieben Fernverkehrszüge ausfielen. Betroffen waren neben der Strecke zwischen Nürnberg und München auch die Strecken Nürnberg-Hamburg und Nürnberg-Karlsruhe.

In Hamburg wurde das Reisezentrum bestreikt. Auch in Nordrhein-Westfalen kam es zu Streiks, vor allem zwischen Köln und Düsseldorf gab es Behinderungen. Auch in Bremen, Hamburg, Berlin, Saalfeld und Magdeburg waren die Warnstreiks zu spüren, allerdings weniger stark. Die Bahn setzte zusätzliches Personal ein, um die Folgen abzumildern. So arbeiteten zusätzliche Mitarbeiter in den Betriebszentralen oder informierten auf den Bahnhöfen die Passagiere.

Laut Gewerkschaften sollten die Streiks absichtlich nur punktuell zu Störungen führen: "Wir wollten mit punktuellen Warnstreiks Druck ausüben, ohne den gesamten Zugverkehr lahmzulegen und ohne die Reisenden in große Mitleidenschaft zu ziehen", erklärten Transnet-Vizechefin Regina Rusch-Ziemba und GDBA-Vize Heinz Fuhrmann. Es gehe um ein "Warnsignal an die Arbeitgeberseite". Für morgen schloss Transnet Streiks gegenüber SPIEGEL ONLINE definitiv aus. Auch am Wochenende seien weitere Ausstände unwahrscheinlich - selbst dann, wenn die Gespräche am Freitag erneut scheitern sollten.

Hintergrund der Bahn-Warnstreiks sind die festgefahrenen Tarifverhandlungen über die Arbeitszeit. Transnet und GDBA wollen vor allem eine bessere Einsatzplanung erreichen. Zudem soll es nach dem Willen beider Gewerkschaften künftig mindestens zwölf freie Wochenenden pro Jahr für die Beschäftigten geben. Die Gewerkschaften fordern in den laufenden Tarifverhandlungen außerdem zehn Prozent mehr Lohn. Die Bahn bietet bislang nach eigenen Angaben drei Prozent - inklusive Inflationsausgleich und Einmalzahlungen.

Damit liegen sie deutlich über der Forderung der konkurrierenden Lokführer-Gewerkschaft GDL. Diese hatte in der vergangenen Tarifrunde wiederum eine deutlich höhere Lohnforderung als die Konkurrenz-Gewerkschaften aufgestellt. Damals hatte die GDL während eines monatelangen Arbeitskampfs den Zugverkehr in Deutschland mehrmals flächendeckend lahmgelegt.

mik/AP/Reuters/AFP



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