Tarifstreit Bahnstreik beendet - Fronten verhärtet

Kein neues Angebot der Bahn an die Gewerkschaft: Nach dem wirkungsvollen 42-stündigen Ausstand im Güterverkehr droht ab Dienstag eine Eskalation. Die GDL hat Streiks auch im Personennah- und fernverkehr angekündigt. SPD-Chef Struck forderte die Bahn auf, trotzdem hart zu bleiben.


Frankfurt am Main - Seit sechs Uhr heute morgen rollen die Güterzüge wieder: Die Streiks der GDL sind nach 42 Stunden beendet. Seit Donnerstag hatte die Lokführergewerkschaft den Frachtverkehr lahmgelegt, um im festgefahrenen Tarifstreit mit der Deutschen Bahn Druck zu machen.

Nach Angaben der Bahn stand am Freitag der Güterverkehr in Ostdeutschland fast komplett still. Auch in Westdeutschland fuhr nur noch jeder dritte Güterzug.

Es bewegt sich was - wenigstens auf den Gleisen: Am Samstag Morgen gingen die GDL-Lokführer wieder zur Arbeit
REUTERS

Es bewegt sich was - wenigstens auf den Gleisen: Am Samstag Morgen gingen die GDL-Lokführer wieder zur Arbeit

Die Lokführergewerkschaft GDL hat die Deutsche Bahn aufgefordert, bis Montag ein neues Angebot vorzulegen. "Wenn der Bahn die Kunden nicht völlig egal sind, sollte sie dies tun", erklärte GDL-Chef Manfred Schell am Samstag in Frankfurt am Main. Am Montag oder Dienstag will die Gewerkschaft entscheiden, ob und wann es zu Streiks im Regional-, Fern- und Güterverkehr kommt. Die Bahn lehnte die Vorlage einer neuen Offerte bislang ab.

SPD-Fraktionschef Peter Struck forderte die Bahn auf, in dem Konflikt hart zu bleiben. "Ich stehe klar auf der Seite von Bahnchef Mehdorn und dem Transnet-Vorsitzenden Hansen, dass es keinen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer geben kann", sagte Struck der "Bild am Sonntag". "Es muss gelten: ein Betrieb, ein Tarif." Auch bei der Höhe der Tarife sei die Bahn der Gewerkschaft schon weit entgegengekommen.

In dem seit Monaten festgefahrenen Tarifkonflikt fordert die GDL einen eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal und bis zu 31 Prozent mehr Geld.

Die Gewerkschaft Transnet hat vor einem Verlust von Arbeitsplätzen bei der Deutschen Bahn als Folge des Lokführerstreiks gewarnt. "Die GDL darf es mit ihren Streiks nicht übertreiben", sagte Transnet-Chef Norbert Hansen der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Würden auf Grund des Arbeitskampfes Bahnkunden dauerhaft abspringen, sei niemandem geholfen: "Dann bekommen die Lokführer am Ende vielleicht mehr Geld, aber jeder Dritte verliert seinen Arbeitsplatz."

Wenn durch den Streik "das Geld aufgezehrt" werde, das für eine Verbesserung der Entgeltstruktur bereits vorgesehen sei, dann litten alle Beschäftigten darunter, warnte Hansen. "Ich verliere langsam meine Geduld. Der Kurs der GDL führt zu einer Entsolidarisierung unter den Beschäftigten. Ich werde nicht tatenlos zusehen, wie andere Geld verbrennen, das wir dringend brauchen." Zwischen Transnet und GDL gebe es derzeit keine Gespräche, sagte Hansen: "Es herrscht Eiszeit. Und ich werde sicher nicht die Wärmflasche reichen - das muss schon die GDL tun."

Die GDL hatte in den 42 Streikstunden ihre Macht demonstriert: In den neuen Ländern, wo sie besonders viele Mitglieder hat, kam der Gütertransport auf der Schiene am zweiten Streiktag fast völlig zum Erliegen. Nach Bahn-Angaben fuhren in mehreren ostdeutschen Bundesländern gerade mal fünf Prozent der Güterzüge.

Auch im Westen waren zuletzt laut Bahn zwei Drittel der Güterzüge betroffen. Bahn-Logistikvorstand Norbert Bensel sprach vom "schwersten Streik im Schienengüterverkehr, den wir in Deutschland je hatten". Es sei "ungeheuerlich, dass 1000 Lokführer den Standort Deutschland so behindern."

Schwer beeinträchtigt war nach Bahn-Angaben auch der internationale Güterverkehr. Vor allem Transporte Richtung Osten seien kaum noch möglich. "Mehrere hundert Züge im Ausland warten darauf, nach Deutschland einfahren zu können", sagte Bensel. Wichtige Züge zum Beispiel für die Belieferung von Kraftwerken seien aber gefahren.

Die Bahn rechnet damit, dass der Betrieb erst bis Mitte der kommenden Woche wieder normalisiert werden könne - vorausgesetzt, es komme nicht zu neuen Streiks. Bis dahin würden die Auswirkungen im Güterverkehr zu spüren sein, sagte ein Sprecher.

cai/itz/dpa/ddp/AFP



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