Tarifstreit bei der Bahn Lokführer und Management trennen sich im Streit

Wutenbrannt zogen die Vertreter der Lokführer-Gewerkschaft GDL heute aus den Tarif-Verhandlungen mit dem Bahn-Management: Bei den Gesprächen kamen die Streitparteien offenbar kein bisschen weiter. Ein Treffen gebe es noch - aber das sei das letzte, erklärte die GDL.


Frankfurt/Main - Nach drei Stunden wurde das Spitzengespräch zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) heute in Frankfurt am Main beendet, ohne dass man in der Frage der Tarife nennenswerte Fortschritte erzielt hätte. Die Arbeitgeber boten stur an, die mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA für 134.000 Bahnbeschäftigte vereinbarte Tariferhöhung um 4,5 Prozent mit Einmalzahlung von 600 Euro zu übernehmen. Der GDL-Chef Manfred Schell zeigte sich darüber empört. "Mit dem Ergebnis werden wir niemals leben können", betonte er.

Bahnkunde am Bahnsteig: Donnerstag trifft man sich zum letzten Mal
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Bahnkunde am Bahnsteig: Donnerstag trifft man sich zum letzten Mal

Die Gewerkschaft fordert einen eigenen Tarifvertrag für die rund 30.000 Lokführer, Zugbegleiter und Mitarbeiter der Bordgastronomie, Tariferhöhungen um bis zu 31 Prozent und eine Senkung der Arbeitszeit von 41 auf 40 Stunden. Die Arbeitgeber wiesen die Forderungen zurück. Im Prinzip kann die Bahn gar nicht besonders weit von ihrem aktuellen Angebot abrücken. Denn offenbar basiert der mit den anderen beiden Bahngewerkschaften Transnet und GDBA erzielte Tarifkompromiss auf der Klausel, dass die Lokführer nicht viel mehr bekommen.

Bahn-Personalvorstand Margret Suckale warb heute denn auch, der mit Transnet und GDBA erzielte 4,5-Prozent-Abschluss sei der Beste, den es jemals bei der Bahn gegeben habe. Sie hoffe, dass die Gewerkschaft auf Streiks verzichte. Diese müssten im Interesse der Kunden in der Ferienzeit vermieden werden. "Wir müssen reden", sagte Suckale. Sie gehe davon aus, dass man am Donnerstag einer Lösung näher kommen werde.

Am Dienstag und Mittwoch sollen sich zunächst Arbeitsgruppen der Tarifparteien über die strittigen Punkte auseinandersetzen. GDL-Mann Schell sagte, die Verhandlung am Donnerstag sei "definitiv das letzte Mal", zu einer Lösung des Konflikts zu kommen. Bis dahin werde nicht gestreikt. Die GDL hat für Montag ihren Hauptvorstand und ihre Tarifkommission einberufen, um die Tarifverhandlungen zu bewerten und die weiteren Schritte festzulegen.

"Wir wollen nicht streiken, wir müssen streiken"

Am Samstag verhandelt das Arbeitsgericht Mainz über die Frage, ob die GDL zu erneuten Warnstreiks aufrufen darf. Den letzten Warnstreik am Dienstag hatte das Gericht untersagt, worauf die Gewerkschaft den Streik abbrechen musste. Die GDL hat Widerspruch gegen die einstweiligen Verfügungen eingelegt. Falls sie nicht Recht bekäme, würde noch am Samstag das Landesarbeitsgericht angerufen, sagte Schell.

"Wir wollen nicht streiken, wir müssen streiken, wenn bis heute immer noch nichts Vernünftiges auf dem Tisch liegt", betonte Schell. Lokführer seien mit 1500 Euro gänzlich unterbezahlt. Vor dem Spitzengespräch hatte der GDL-Chef schon erklärt, seine Erwartungshaltung sei "nicht sonderlich hoch". Bahnchef Hartmut Mehdorn dagegen zeigte sich "verhalten optimistisch". Die Deutsche Bahn hat in einer Anzeigenkampagne die GDL-Forderung nach Tariferhöhungen bis 31 Prozent als absurd zurückgewiesen.

Druck auf die GDL kommt auch von den anderen Gewerkschaften. Der Vorsitzende von Transnet, Norbert Hansen, sagte im WDR, sollten die Lokführer einen höheren Tarifabschluss durchsetzen, würde Transnet den am Montag geschlossenen Tarifvertrag wieder kündigen. Die Forderung der GDL nach einem eigenen Tarifvertrag würde im Bahn-Konzern "einiges durcheinander bringen", warnte Hansen.

Es müsse bei der Bezahlung nach den üblichen Prinzipien wie Qualifikation, Anforderungen und Leistung gehen und nicht nach Berufsgruppen, forderte er. Hansen bot der GDL gemeinsame Verhandlungen über eine höhere Eingruppierung von Lokführern an. Separate Verhandlungen seien "auch gegenüber denjenigen, die jetzt in der Position sind, dass sie eben nicht so viel Drohpotenzial aufbauen können, nicht gerecht", sagte Hansen.

ase/AP



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