Tarifstreit bei der Bahn Transnet schließt Streiks für Freitag aus

Durch kurze Warnstreiks war am Morgen vor allem in Süddeutschland der Zugverkehr behindert - inzwischen sind nur noch vereinzelt Verbindungen gestört. Für Freitag haben die Gewerkschaften Transnet und GDBA neue Arbeitskämpfe definitiv ausgeschlossen, auch am Wochenende sind Streiks unwahrscheinlich.


Berlin - Die Warnstreiks bei der Deutschen Bahn sind weitgehend beendet. Insgesamt hätten sich am Donnerstagmorgen rund 400 Rangierer, Zugbegleiter, Zugchefs und Servicekräfte an Arbeitskämpfen beteiligt, teilten die Gewerkschaften Transnet und GDBA mit, die zu den Aktionen aufgerufen hatten.

Streikende Bahn-Mitarbeiter am Kölner Hauptbahnhof: "Punktuelle Ausstände, um Druck zu erzeugen"
AP

Streikende Bahn-Mitarbeiter am Kölner Hauptbahnhof: "Punktuelle Ausstände, um Druck zu erzeugen"

Massive Verkehrsbehinderungen hat es laut der Gewerkschaften in München, Nürnberg und Köln gegeben. Im Raum Nürnberg fielen neben Regional- auch Fernzüge aus. Weitere Ausfälle und Verspätungen gab es in Düsseldorf, Bremen, Hamburg, Berlin, Saalfeld und Magdeburg. Um 10.30 Uhr wurden die Warnstreiks weitgehend beendet. Einzelne Betriebseinschränkungen können sich nach Angaben der Bahn allerdings noch bis in den Nachmittag oder frühen Abend hinziehen.

Für Freitag hat die Gewerkschaft Transnet im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE weitere Streiks "definitiv" ausgeschlossen. Auch für das Wochenende seien Streiks "unwahrscheinlich", sagte Transnet-Sprecher Oliver Kaufhold. Die Tarifverhandlungen mit der Bahn würden am Freitag um 9 Uhr in Frankfurt am Main fortgesetzt und liefen "open end". Transnet erwartet, dass die Bahn morgen ein neues Angebot vorlegt. Sollten die Gespräche erneut scheitern, werde man voraussichtlich erst Montag neue Streiks planen.

Für die Ausstände am Donnerstagmorgen sprach die Bahn von geringen Auswirkungen auf den Personenverkehr. Die Lage sei "entspannt", sagte Konzernsprecher Jürgen Kornmann im ZDF-"Morgenmagazin". Der Konzern will Beeinträchtigungen für die Fahrgäste so gering wie möglich halten. In Betriebsleitzentralen seien zusätzliche Mitarbeiter eingesetzt worden, teilte der Konzern mit. Auch an betroffenen Bahnhöfen sollen mehrere hundert Mitarbeiter für die Kundenbetreuung präsent sein.

Die Gewerkschaften werteten den Warnstreik als Erfolg. "Wir wollten mit punktuellen Warnstreiks Druck ausüben, ohne den gesamten Zugverkehr lahmzulegen und ohne die Reisenden in große Mitleidenschaft zu ziehen", stellten Transnet-Vize Regina Rusch-Ziemba und der stellvertretende GDBA-Vorsitzende Heinz Fuhrmann fest. Dies sei gelungen.

Viele Reisende kritisierten den Ausstand. "In der derzeitigen Krise derartige Gehaltserhöhungen - tut mir leid, dafür habe ich kein Verständnis", sagte ein Bahnkunde in Köln. Vor allem Pendler ärgerten sich über die Verspätungen und Zugausfälle. "Man ist immer betroffen und kommt immer spät auf die Arbeit. Die Zeit fehlt mir, und das bezahlt mir auch keiner", sagte eine Reisende.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee mahnte Gewerkschaften und Konzern zur Zurückhaltung. "Die Fahrgäste und die Firmen, die ihre Güter über die Schiene transportieren, erwarten, dass DB AG und Gewerkschaften ihrer hohen Verantwortung gerecht werden", sagte der SPD-Politiker dem "Hamburger Abendblatt". Die Tarifpartner müssten die Interessen der Beschäftigten ebenso im Blick behalten wie die wirtschaftlichen Belange des Unternehmens.

Anlass für die Aktionen sind Transnet zufolge die festgefahrenen Tarifverhandlungen über Arbeitszeit und Entgelt. Die Arbeitgeberseite hat aus Sicht der Gewerkschaften bislang keine akzeptablen Angebote vorgelegt. Transnet und GDBA fordern zehn Prozent mehr Geld und mindestens zwölf freie Wochenenden im Jahr für rund 130.000 Beschäftigte. Die Bahn beziffert ihr bisheriges Angebot inklusive Inflationsausgleich und Einmalzahlungen auf drei Prozent.

Zu den neuen Tarifverhandlungen am Freitag kommt auch die Lokführergewerkschaft GDL mit an den Tisch. Die GDL, die separat mit der Bahn verhandelt und 2007/2008 mit dem längsten Tarifkonflikt in der Geschichte der Bahn für Aufsehen gesorgt hatte, fordert 6,5 Prozent mehr Geld für 12.000 tarifgebundene Kollegen. Die GDL kann frühestens ab kommender Woche nach Ende der Friedenspflicht zu Streiks aufrufen.

ssu/AP/dpa/ddp/Reuters



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