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22. August 2004, 14:05 Uhr

Tarifstreit bei VW

"Hartz wird auf Granit beißen"

Bei Volkswagen droht eine harte Tarifauseinandersetzung. VW-Personalvorstand Peter Hartz strebt eine Nullrunde an - die Arbeitnehmerseite verlangt hingegen eine Lohnerhöhung von vier Prozent und eine zehnjährige Jobgarantie für die 103.000 Arbeitsplätze in den sechs westdeutschen Werken.

Volkswagen-Embleme: Heißer Herbst in Wolfsburg
DPA

Volkswagen-Embleme: Heißer Herbst in Wolfsburg

Wolfsburg - Löhne und Gehälter sollten nach Ansicht Hartz' mindestens ein Jahr lang nicht steigen. Wenn man die Lohnkosten bis 2011 um 30 Prozent senken wolle, mache es wenig Sinn, sie zunächst in die Höhe zu treiben, so Hartz gegenüber dem SPIEGEL. Vorbild sei Toyota. Der japanische Autokonzern habe wegen des hohen Wettbewerbsdrucks bereits Nullrunden mit den Gewerkschaften vereinbart. Der Sprecher des IG-Metall-Bezirks Hannover, Jörg Köther, sagte, es sei ungewöhnlich und konfliktbeladen, wenn das Management jetzt schon mit Gegenforderungen komme. "Das Unternehmen wäre gut beraten, nicht schon in einer so frühen Phase die ohnehin schwierigen Tarifverhandlungen zu belasten."

An diesem Montag will Hartz die Forderungen vorstellen, mit denen das Unternehmen in die Verhandlungen mit der IG Metall gehen will. Die Tarifverträge bei Volkswagen laufen am 30. September aus. Die erste Verhandlungsrunde ist für den 15. September angesetzt.

Der niedersächsische IG Metall-Chef Hartmut Meine warnte den Konzernvorstand vor Maximalforderungen. "Ich rate dem Vorstand, nicht Öl ins Feuer dieser Tarifauseinandersetzung zu gießen", sagte der Verhandlungsführer der Arbeitnehmer. Sollte VW eine härtete Gangart einschlagen, seien IG Metall und Gesamtbetriebsrat darauf vorbereitet, für ihre Forderungen nach vier Prozent mehr Lohn und einer nachhaltigen Jobgarantie zu kämpfen. "Wir haben bei VW einen fantastischen Organisationsgrad von 97 Prozent. Wenn das Unternehmen eine konfliktreiche Verhandlungsführung will, kann ich nur sagen: Wir können das auch", so Meine.

Peter Hartz: Vorbild Toyota
DPA

Peter Hartz: Vorbild Toyota

In der Frage einer demographischen Arbeitszeit zeigt sich die Gewerkschaft kompromissbereit. "Da könnten wir zusammenfinden. Wir wollen den Vorschlag aber erweitern und erreichen, dass die Arbeitnehmer durch Ansparen von Arbeitszeit eher ausscheiden können", erklärte Meine. Die Forderung nach flexiblen Vergütungen der Beschäftigten, die sich aus 70 Prozent Festgehalt und 30 Prozent Bonuszahlungen zusammensetzen sollen, lehnte der Gewerkschafter aber kategorisch ab. "Das ist ein Punkt, da wird er (Hartz) auf Granit beißen."

Der durch die gleichnamigen Arbeitsmarktreformen bekannt gewordene VW-Manager Hartz hatte im Mai ein milliardenschweres Maßnahmenpaket vorgelegt, mit dem er die Arbeitskosten bis 2011 um 30 Prozent senken will. Im Gegenzug sollen die Arbeitsplätze in Deutschland erhalten werden.

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