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Tarifstreit IG Metall will schnell mit Warnstreiks beginnen

Während im Öffentlichen Dienst immer noch gestreikt und gestritten wird, verschärft sich auch in der Metallbranche der Tarifkonflikt. Schon morgen soll es erste Warnstreiks bei BMW geben, am Mittwoch werden sie landesweit ausgeweitet.

Berlin - Erste Warnstreiks soll es im Leipziger Werk von BMW   geben, da in Sachsen derzeit keine Friedenspflicht herrscht. "Jetzt wird der Protest auf die Straße getragen, damit der notwendige Druck auf die Verhandlungen erzeugt wird", erklärte der Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, Olivier Höbel. Zu dem einstündigen Ausstand würden rund 800 Mitarbeiter erwartet.

Im traditionellen Metall-Pilotbezirk Baden-Württemberg mit rund 800.000 Beschäftigten brachten die Verhandlungen in Ludwigsburg heute keine Annäherung. Nachdem die Arbeitgeber kein Angebot mit konkreten Zahlen machten, wurden die Gespräche ergebnislos auf den 6. April vertagt. Ab Mittwoch will die Gewerkschaft ihren Forderungen mit Warnstreiks im Südwesten Nachdruck verliehen. Die Friedenspflicht läuft am Dienstag aus.

Auch in der so genannten Mittelgruppe gingen beide Seiten ohne Einigung für die rund 410.000 Beschäftigten der Branche in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland auseinander. Die Gewerkschaft kündigte daraufhin "kräftige Warnstreiks" ebenfalls ab Mittwoch an. In Bremen wurden die Gespräche für die mehr als 150.000 Beschäftigten im Bezirk Küste nach nur einer Stunde ohne Ergebnis vertagt. Auch die Verhandlungen für die 63.000 Beschäftigten in Berlin und Brandenburg gingen ohne neuen Termin zu Ende.

Peters eröffnet Mitternachtsstreiks

In den anderen Ländern sollen die Warnstreiks Mittwochnacht beginnen. Die IG Metall rechnet mit mehreren tausend Teilnehmern in allen Bundesländern. Der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters wird zum mitternächtlichen Streikauftakt bei Ford in Saarlouis erwartet.

Von den zeitlich befristeten Arbeitsniederlegungen sollen auch Infineon  , Epcos   und Bosch in München, Mercedes in Sindelfingen, Bosch in Stuttgart, Porsche   in Zuffenhausen, DaimlerChrysler   in Untertürkheim, Rolls-Royce in Oberursel, Danfoss in Flensburg, Blohm & Voss in Hamburg, Varta in Hannover, MAN Nutzfahrzeuge und Bosch in Salzgitter, Miele in Lehrte und Siemens in Braunschweig betroffen sein.

Die IG Metall fordert für die 3,4 Millionen Beschäftigten in der deutschen Metall- und Elektroindustrie fünf Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber halten allenfalls 1,4 Prozent für vertretbar, wollen aber erst zum Auftakt der vierten Verhandlungsrunde ein formales Angebot vorlegen. Sie beginnt am 6. April außer in Baden-Württemberg auch in Nordrhein-Westfalen.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall kritisierte die Streikankündigungen. Aus den früher noch hinnehmbaren Protestdemonstrationen seien inzwischen "wochenlang im Voraus ausgetüftelte Kurzstreiks" geworden, sagte ein Sprecher. Die IG Metall komme nicht aus ihren alten Ritualen heraus, anstatt sich mit den Fragestellungen ernsthaft und konstruktiv auseinander zu setzen.

Ralf Beunink, ddp