Tarifstreit im Osten IG Metall gibt Arbeitskampf auf

Es ist eine deftige Niederlage für die Gewerkschaften. IG-Metall-Chef Zwickel kündigte am Samstagvormittag das Ende des Arbeitskampf im Osten an. Er werde dem Bundesvorstand empfehlen, den Streik abzubrechen. Damit hat die IG Metall erstmals seit 1954 ein Streikziel verfehlt.

Berlin - Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen für die Metallindustrie in Ostdeutschland "ist das Ziel, die Einführung der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland, nicht erreicht", räumte Klaus Zwickel ein. Das Streikkonzept sei gescheitert.

Samstagfrüh, kurz vor Schluss des Verhandlungsmarathons, war die IG-Metallführung, Klaus Zwickel und Jürgen Peters, mit Gesamtmetallpräsident Martin Kannegiesser zu einem letzten Gespräch zusammengekommen. Auch dieser Kompromissversuch blieb erfolglos. "Die Verhandlungen sind gescheitert", stellte ein Gesamtmetallsprecher anschließend fest.

"Wir glauben, dass die Arbeitgeber eine große Chance verpasst haben", sagte der Verhandlungsführer Hasso Düvel nach der Runde. Die Gewerkschaft habe einen innovativen Vorschlag unterbreitet. Dieser habe eine Arbeitszeit von 35 bis 40 Stunden vorgesehen. Innerhalb dieser Bandbreite habe man die unterschiedliche Situation der Betriebe auf den Weg zur 35-Stunden-Woche berücksichtigen wollen. Dies hätten die Arbeitgeber abgelehnt. Düvel verwundert: "So weit wie wir über den Bach springen wollten, hätte ich mir zu Beginn der Verhandlungen niemals vorstellen können."

Im Vorfeld hatte die Gewerkschaft angekündigt, bei einem Scheitern der Verhandlungen den seit Anfang Juni laufenden Streik auf weitere Betriebe auszuweiten und auch in Westdeutschland "Solidaritätsaktionen" abzuhalten. Das ist mit Zwickels Äußerung nun obsolet.

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Roland Fischer, führte den Abbruch der Gespräche auf die mangelnde Kompromissbereitschaft seitens der IG Metall zurück. "Wir haben ein positives Signal gesetzt", erläuterte Fischer. Auch die Arbeitgeber boten nach eigenen Angaben einen Arbeitszeitkorridor von 35 bis 40 Stunden die Woche an. Die bisherige Entgeltbasis von 38 Stunden wollten sie um eine Stunde reduzieren. Darüber habe es keine Übereinstimmung geben können. Zudem wollten die Arbeitgeber neuen Investoren in den neuen Ländern einen befristeten Abschlag auf die Tariflöhne von zwei Prozent zugestehen.

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