Tarifstreit Länder kündigen neues Angebot für Ärzte an

Bald acht Wochen dauert der Tarifstreit der Länder mit den 22.000 Ärzten an den Unikliniken nun an. Jetzt gehen die Verhandlungen womöglich in die entscheidende Runde. Die Länder kündigten ein neues Angebot an.


Hamburg - Der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring, traf sich heute in Dresden zu einem Spitzengespräch mit dem Chef des Marburger Bundes, Frank Montgomery. "Wir werden einen Vorschlag auf den Tisch legen", kündigte der CDU-Politiker Möllring vor Gesprächsbeginn an. Dann werde sich zeigen, ob die Ärztegewerkschaft wirklich zu einem Abschluss bereit sei, fügte er hinzu, ohne Details zum Vorschlag zu nennen. Er betonte jedoch: "Es geht ums Geld."

Streik in den Unikliniken: Arbeitskampf seit bald zwei Monaten
DPA

Streik in den Unikliniken: Arbeitskampf seit bald zwei Monaten

Der Marburger Bund äußerte sich vorsichtig optimistisch, betonte aber, dass man keinen Abschluss um jeden Preis wolle. Montgomery erklärte erstmals seine Bereitschaft zu einem separaten Abschluss mit einzelnen Ländern, sollte sich die TdL nicht bewegen. Bereits heute seien die Gehälter in den Ländern sehr verschieden.

Grundsätzlich habe er zwar kein Interesse an Abschlüssen mit einzelnen Bundesländern, "da dies nur die Verhandlungen mit der Rest-TdL erschweren würde". Auf der anderen Seite erkenne er in Ländern wie in Baden-Württemberg und Bayern aber die Bereitschaft, schnell zu einem Abschluss zu kommen. "Dort werden uns Angebote gemacht, die meinen Arztkollegen das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen", sagte der Marburger-Bund-Chef. Sollten diese Länder bereit sein, separat abzuschließen, könne die Ärztegewerkschaft sich dem schon mit Rücksicht auf die dortigen Ärzte kaum verschließen.

Die Ärzte streiken bereits seit fast zwei Monaten und wollen die Aktionen auf sieben Tage in der Woche ausdehnen, wenn das Gespräch erneut ergebnislos verläuft. Die Unikliniken machen wegen der Streiks schon jetzt Millionenverluste.

Die Mediziner an den Unikliniken und Landeskrankenhäusern fordern mehr Gehalt, kürzere Arbeitszeiten und die Bezahlung von Überstunden - ein Gesamtvolumen von 30 Prozent. Bereits am Wochenende hatte es geheißen, eine Einigung sei nur knapp verfehlt worden. Am Dienstagabend waren weitere Verhandlungen ergebnislos unterbrochen und das Spitzengespräch vereinbart worden.

Möllring sagte, die Verhandlungen am Wochenende seien zum Schluss am Geld gescheitert. "Der Marburger Bund hat unser Angebot da abgelehnt. Wir brauchen einen Abschluss, der bezahlbar ist", erklärte er. Es könne nicht sein, dass Lohnzuwächse für Ärzte auf Kosten der Krankenkassen und damit der Beitragszahler gingen. Er sei optimistisch, dass es zu einer Einigung kommen könne: "In allen anderen Punkten waren wir uns ja schon einig, bei den Arbeitszeiten genau wie bei den Bereitschaftsdiensten", sagte der niedersächsische Finanzminister.

kaz/AP/Reuters



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