Tarifstreit Lokführer planen neue Warnstreiks

Spitzengespräch ohne Ergebnis: Nach einem Treffen mit Bahn-Chef Mehdorn hat die Gewerkschaft der Lokführer neue Warnstreiks für nächste Woche angekündigt. Auch die Verhandlungen mit den anderen beiden Bahngewerkschaften wurden vertagt.


Frankfurt/Berlin - Kommende Woche werde es wieder Warnstreiks der Lokführer geben, kündigte Gewerkschaftschef Manfred Schell nach einem gut zweieinhalbstündigen Gespräch mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn in Frankfurt an. Seine Organisation bestehe auf einem eigenen Tarifvertrag und einer deutlichen Gehaltsanhebung. Diese Forderung werde kommende Wochen mit einem erneuten Warnstreik unterstrichen.

Streikender Lokführer: Gewerkschaft besteht auf höherem Lohn
DDP

Streikender Lokführer: Gewerkschaft besteht auf höherem Lohn

Auch die Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA wurden auf Samstag vertagt, wie ein Sprecher der Bahn heute Nachmittag nach mehrstündigen Gesprächen in Berlin mitteilte.

Der Verhandlungsführer von Transnet und GDBA, Alexander Kirchner, sagte, in die Frage der Entgelterhöhung sei bislang kaum Bewegung gekommen. Ab morgen würden sich nun Arbeitsgruppen mit Vertretern von Bahn und Gewerkschaften zusammensetzen, um Vorschläge für Detailfragen der Verhandlungen zu erarbeiten. "Wir haben das Gefühl, dass die Arbeitgeberseite erkannt hat, dass es schnell vorangehen muss", sagte Kirchner.

Zuvor hatte der Konzern den Gewerkschaften eine Gehaltserhöhung von 3,4 Prozent ab dem 1. Januar 2008 für eine Laufzeit von 24 Monaten angeboten. Zudem bietet die Bahn eine Sonderzahlung von 450 Euro an, bei einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 40 Stunden. Transnet und GDBA entschieden sich daraufhin, ihre Streiks auszusetzen und unter den neuen Voraussetzungen weiter zu verhandeln.

Die Lokführergewerkschaft GDL wiederum besteht auf einem eigenen Spartentarifvertrag. Sie teilte mit, dass es am Freitag kommender Woche wieder ein Treffen mit der Deutschen Bahn geben werde, dann "erwarten wir ein Angebot", sagte GDL-Chef Schell. Bis dahin wollen die Lokführer ihre Forderungen mit weiteren Arbeitsniederlegungen bekräftigen.

Die neuen Streiks würden aber rechtzeitig angekündigt, damit die Bahnkunden anderweitig planen könnten, sagte Schell weiter. Sollte die Bahn mit den beiden anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA einen Tarifvertrag abschließen, werde seine Gewerkschaft sich dem nicht anschließen.

Die GDL fordert einen eigenen Tarifvertrag und bis zu 31 Prozent mehr Lohn. Die Bahn wies die Forderungen bislang kategorisch zurück und bezeichnete sie als "irrwitzig". Kritik kam auch von den anderen beiden Bahngewerkschaften Transnet und GDBA. Sie bedauerten den Beschluss der Lokführer, die Warnstreiks fortzusetzen.

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite, Werner Bayreuther, kündigte nach dem Treffen in Frankfurt an, dass der GDL ein Angebot gemacht werde. Allerdings bestehe der Konzern auf einem einheitlichen Tarifvertrag für alle Bahn-Beschäftigten.

Bereits von Montag bis Mittwoch hatten Streiks der GDL als auch auch der beiden anderen Gewerkschaften den Zugverkehr in Deutschland erheblich beeinträchtigt. Die Bahn hatte deshalb heute ihr Tarifangebot für alle 134.000 Beschäftigten verbessert Ein Ende der Tarifauseinandersetzung ist damit aber noch nicht abzusehen.

sam/wal/AP/DDP/dpa



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