Tarifstreit Metallbranche droht Arbeitskampf

Verhärtete Fronten in der Metall- und Elektroindustrie: IG-Metall-Chef Berthold Huber lehnt ein Spitzentreffen mit der Arbeitgeberseite ab. Nun droht die Gewerkschaft mit Warnstreiks.


Sindelfingen/Berlin - IG-Metall-Chef Berthold Huber lehnte am Mittwoch ein Spitzengespräch ab. Damit reagierte er auf ein Schreiben von Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Der hatte die Arbeitnehmerseite zu Verhandlungen auf Spitzenebene aufgefordert. "Das ist ein taktisches Manöver, um die Verhandlungen zu verzögern", kanzelte Huber den Vorschlag ab. Gesamtmetall nannte die Ablehnung bedauerlich und übereilt.

IG-Metall-Chef Huber: "Taktisches Manöver"
DPA

IG-Metall-Chef Huber: "Taktisches Manöver"

Damit steuert die Metallbranche mitten in der Finanzkrise auf einen handfesten Arbeitskampf zu. Die IG Metall verlangt für die 3,6 Millionen Beschäftigten der deutschen Schlüsselindustrie acht Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten - die höchste Forderung seit 16 Jahren. Huber war den Arbeitgebern bereits entgegengekommen, indem er eine längere Laufzeit für den Tarifvertrag als die gewünschten zwölf Monate ins Gespräch gebracht hatte.

Südwestmetall-Chef Jan Stefan Roell sagte kurz vor Beginn der zweiten Verhandlungsrunde in Sindelfingen: "Wir werden einen Vorschlag für ein besonderes Verfahren machen, wie wir aus dieser schwierigen Situation herauskommen."

IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann drohte seinerseits mit Warnstreiks im November, wenn die Arbeitgeber kein Angebot vorlegen. "Die Chancen auf eine Einigung vor dem Ende der Friedenspflicht würden auf Null sinken", fügte er hinzu. Die Tarifverträge laufen am 31. Oktober aus. An diesem Tag endet auch die Friedenspflicht. In der Nacht zum 1. November ist bereits mit ersten Ausständen zu rechnen, die sich dann in der ersten Novemberwoche zuspitzen könnten.

Huber sagte: "Es liegt nicht an den Verhandlungspartnern und an den Aushandlungsmechanismen, sondern an dem fehlenden Angebot der Arbeitgeber, dass wir nicht weiterkommen." Er erwarte eine verhandlungsfähige Offerte in den Regionen, dann bestehe auch die Chance auf einen schnellen Abschluss.

Die IG Metall peile eine schnelle Einigung an, um Planungssicherheit für die Unternehmen und Lebenssicherheit für die Menschen zu schaffen. "Wir tragen hier nicht nur Verantwortung für die Metall- und Elektroindustrie und ihre Beschäftigten, sondern darüber hinaus auch für die Stabilität auf den Märkten", so Huber.

"Die Weigerung der IG Metall, in gemeinsamen Verhandlungen eine schnelle Lösung zu finden, wird bei den Unternehmen und in der Öffentlichkeit auf Unverständnis stoßen und das Ansehen der Tarifparteien belasten", hieß es dagegen bei Gesamtmetall in Berlin. In seinem Brief an Huber habe Kannegiesser eine "konzentrierte gemeinsame Lösungssuche mit der aus den Regionen versammelten Kompetenz" vorgeschlagen. Ziel sei eine schnelle Lösung, mit der ein sich hochschaukelnder Konflikt vermieden werde.

suc/dpa



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