Tarifstreit Warnstreiks bei der Bahn - Zehntausende Pendler betroffen

Massive Behinderungen für Pendler und Bahnreisende: Am Morgen haben Hunderte Beschäftigte der Deutschen Bahn ihre angekündigten Warnstreiks begonnen. Zehntausende Pendler kamen zu spät zur Arbeit. Allein in Köln und Saarbrücken fielen 15 Züge aus.

Berlin - Die erste Welle der Warnstreiks habe von 3 Uhr bis 6 Uhr gedauert, sagte ein Sprecher der Bahngewerkschaft Transnet. Schwerpunkt der Aktionen seien vor allem Städte in Nordrhein-Westfalen gewesen. Betroffen waren Transnet zufolge Nahverkehr, Fernverkehr und Güterverkehr. Viele Züge im Regional- und Fernverkehr hätten sich um eine halbe bis eine ganze Stunde verspätet. 15 Verbindungen in Köln und Saarbrücken seien komplett ausgefallen.

Der Gewerkschaft zufolge legten zunächst in Saarbrücken, Trier, Dortmund und Köln rund 400 Eisenbahner die Arbeit befristet nieder. Am Vormittag sollen noch weitere Warnstreiks folgen, unter anderem in Paderborn. Um 12 Uhr sollen dann alle Aktionen beendet sein. Transnet erwartet, dass sich gut 1000 Mitarbeiter an den Warnstreiks beteiligen würden.

"Wir hatten bis zuletzt auf verhandelbare Angebote der Arbeitgeberseite gehofft", erklärten Transnet-Chef Norbert Hansen und der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel. Allerdings habe es diese auch in einem am Donnerstag von der Deutschen Bahn anberaumten Gespräch nicht gegeben. "Das ist jetzt die Antwort der Beschäftigen", sagten die beiden Gewerkschaftsvorsitzenden.

Die jetzigen Aktionen sind laut Transnet die ersten größeren Warnstreiks bei der Deutschen Bahn seit Frühjahr 2003.

Die bis 2010 vereinbarte Arbeitsplatzgarantie für rund 130.000 Bahner gilt bisher nur für den Fall, dass die Deutsche Bahn in bestehender Form - also mit Schienennetz - privatisiert wird. Dies ist aber noch offen.

Regierung und Vertreter der Koalition führten dazu parallel zu den Tarifgesprächen Gespräche, die aber bisher ohne Ergebnis blieben. Die Gewerkschaften wollen beim Bahn-Vorstand erreichen, dass die Arbeitsplatzgarantie unabhängig vom Privatisierungsmodell gilt oder die Bahn mit Netz privatisiert wird. In diesem Punkt unterstützten sie damit aber auch Bahnchef Hartmut Mehdorn, der dieses Ziel seit Jahren verfolgt.

Die Deutsche Bahn warnte vor Verspätungen im Nah- und Fernverkehr. Fahrgäste können sich unter der kostenlosen Rufnummer 08000-996633 über die aktuelle Lage informieren. Wer eine Fahrt aufgrund streikbedingter Zugausfälle oder Verspätungen nicht antreten kann, kann die Fahrkarte umtauschen oder sich den Reisepreis erstatten lassen.

ler/AP/Reuters/AFP