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05. Juli 2007, 12:27 Uhr

Tarifverhandlung

Bahn bietet Einmalzahlung von 450 Euro und 3,4 Prozent mehr Lohn

Die Deutsche Bahn legt eine Schippe drauf: Das Unternehmen bietet seinen Angestellten eine Einmalzahlung von 450 Euro und eine Lohnerhöhung um 3,4 Prozent für die kommenden beiden Jahre. Die Gewerkschaften zeigten sich zufrieden und wollen jetzt weiterverhandeln.

Berlin - Der Konzern hat den Gewerkschaften eine Gehaltserhöhung von 3,4 Prozent ab dem 1. Januar 2008 für eine Laufzeit von 24 Monaten angeboten. Außerdem solle es eine Einmalzahlung von 450 Euro geben, sagte Bahn-Verhandlungsführerin Margret Suckale heute nach einem Gespräch mit den Gewerkschaften GDBA und Transnet in Berlin.

Die Bahn wolle des Weiteren die wöchentliche Arbeitszeit von 39 auf 40 Stunden bei vollem Lohnausgleich anheben. Die Gewerkschaften Transnet und GBDA akzeptierten das Angebot als Basis für weitere Verhandlungen. Allerdings könne es nur "ein Beginn sein", sagte der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft der Gewerkschaften, Alexander Kirchner. Die eigene Forderung nach sieben Prozent mehr Geld bei zwölf Monaten Laufzeit bleibe bestehen. Die von der Bahn gebotenen Prozente und die Laufzeit "reichen uns noch nicht". Zudem solle eine Mindesterhöhung für die untersten Lohngruppen erreicht werden.

Bislang hatte das Unternehmen ein Plus von 2,0 Prozent in Aussicht gestellt. Die Gewerkschaften Transnet und GDBA fordern für die 134.000 Beschäftigten Lohnerhöhungen von sieben Prozent oder mindestens 150 Euro im Monat. Nach der Ankündigung eines verbesserten Angebots hatten die beiden Gewerkschaften nach drei Tagen mit Warnstreiks heute ihre Aktionen ausgesetzt. Eine Bahnsprecherin bestätigte, dass der Zugverkehr erstmals in dieser Woche im gesamten Bundesgebiet ungestört verlief.

Zeitgleich hat in Frankfurt das Spitzengespräch zwischen Konzernchef Hartmut Mehdorn und der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) begonnen. Mehdorn kam mit GDL-Chef Manfred Schell zusammen, um über Lösungsmöglichkeiten in dem Konflikt zu beraten. Die GDL fordert einen eigenen Tarifvertrag und bis zu 31 Prozent mehr Lohn. Die Bahn weist die Forderungen kategorisch zurück.

Am Dienstag hatten die Lokführer mit einem vierstündigen Warnstreik den Bahnverkehr bundesweit teilweise zum Erliegen gebracht. Ob die GDL nun wie die anderen beiden Gewerkschaften eine längere Streikpause einlegt, blieb zunächst offen. So drohte die Lokführer-Gewerkschaft, "weitere Maßnahmen zu ergreifen, um Herrn Mehdorn an den Verhandlungstisch zu bringen". Da die GDL zugesagt hatte, Warnstreiks jeweils 24 Stunden vorher anzukündigen, gelten neue Arbeitsniederlegungen in dieser Woche aber als unwahrscheinlich.

Die Bahn machte indes keine Anzeichen, der GDL entgegenzukommen. "Wir werden allen Gewerkschaften dasselbe Angebot vorlegen", sagte die Verhandlungsführerin des Konzerns Suckale. Einen eigenen Spartentarifvertrag für die Lokführer könne das Unternehmen nicht akzeptieren. "Wir wollen keine Spaltung unserer Belegschaft, nicht Mitarbeiter erster und zweiter Klasse."

sam/wal/AFP/AP/Reuters

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