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30. Oktober 2008, 18:22 Uhr

Tarifverhandlungen

Metallarbeitgeber bieten 2,9 Prozent mehr Geld

Erstes Angebot in den Tarifverhandlungen der Metallbranche: Die Arbeitgeber im Pilotbezirk Baden-Württemberg schlagen 2,1 Prozent mehr Lohn und dazu eine Einmalzahlung vor. Die Arbeitnehmer verlangen dagegen acht Prozent - und nennen die Offerte eine Mogelpackung.

Hamburg/Fellbach - Das Angebot von 2,1 Prozent mehr Lohn soll ab Januar 2009 gelten. Zuvor sollen die Beschäftigten für die Monate November und Dezember 2007 eine Einmalzahlung in Höhe von 0,8 Prozent eines Jahreseinkommens erhalten - das teilte der Arbeitgeberverband Südwestmetall am Donnerstagabend im baden-württembergischen Fellbach mit.

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DPA

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Die Laufzeit des Tarifvertrages soll 14 Monate betragen. Das Gesamtvolumen beziffern die Arbeitgeber auf 2,9 Prozent. Der aktuelle Tarifvertrag läuft zum 1. November aus. Das jetzt vorgelegte Angebot der Arbeitgeber "gefährdet unsere Wettbewerbsfähigkeit nicht", sagte Südwestmetall-Chef Stefan Roell.

Das Angebot ist bundesweit innerhalb von Gesamtmetall abgestimmt und wird aller Voraussicht nach auch in allen anderen Bezirken vorgelegt. Im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg gingen die Tarifverhandlungen am Donnerstag in die dritte Runde. In mehreren an deren Bezirken gehen die Tarifgespräche am Freitag weiter. Sachsens Metallarbeitgeber signalisierten bereits, das in Baden-Württemberg unterbreitete Angebot mitzutragen. Bundesweit sind in der Branche rund 3,6 Millionen Menschen beschäftigt.

IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann bezeichnete den Vorschlag als "nicht tragfähig für eine Lösung dieser Tarifbewegung". Er bringe die Tarifparteien "keinen Schritt näher". Die Differenz der Vorstellungen sei "sehr groß", das Angebot eine "Mogelpackung" und in den Betrieben "nicht vermittelbar", sagte er. Für die kommende Woche kündigte Hofmann Warnstreiks in "zahlreichen Betrieben" an. Die Tarifparteien vereinbarten aber unter Vorbehalt dennoch einen neuen Verhandlungstermin am 11. November. Bis dahin wollen die jeweiligen Gremien über die Lage beraten.

Die IG Metall verlangt acht Prozent mehr Lohn. "Unsere Forderung ist wirtschaftlich verkraftbar und wohlbegründet", sagte Gewerkschaftschef Berthold Huber kürzlich im SPIEGEL-Interview. Die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie hätten nach eigenen Angaben 2007 und auch 2008 "die höchste Umsatzrendite seit 1970 erwirtschaftet". So gesehen sei acht Prozent mehr Einkommen "sogar maßvoll".

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sprach sich trotz Finanzkrise für Lohnerhöhungen aus. Die Schere zwischen Einkommens- und Vermögensentwicklung sei in den vergangenen Jahren immer weiter auseinandergegangen. "Ich halte Lohnerhöhungen auch in der derzeitigen Entwicklung nicht nur für vertretbar, sondern auch für richtig."

kaz/dpa/AP/ddp/Reuters

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