Tarifverhandlungen ÖTV und DAG beharren auf Fünf-Prozent-Forderung

Die erzielten Tarifabschlüsse in der Chemie- und Metallindustrie könnten auch die Verhandlungen im öffentlichen Dienst beeinflussen. Zwar beharrten sowohl Arbeitgeber wie auch Gewerkschaften auf ihren Forderungen, aber hinter den Kulissen wird Kompromissbereitschaft signalisiert.


Hält einen schnellen Tarifabschluss für möglich: ÖTV-Chef Herbert Mai
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Hält einen schnellen Tarifabschluss für möglich: ÖTV-Chef Herbert Mai

Stuttgart/Berlin - Am Mittwoch wollen sich Arbeitgeber und die Gewerkschaften Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) sowie die Deutsche Angestellten Gewerkschaft (DAG) in Stuttgart an einen Tische setzen. Unmittelbar vor Beginn der Tarifrunde für die rund 3,2 Millionen Angestellten und Arbeiter des öffentlichen Dienstes haben ÖTV und DAG ihre Forderung von fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt bekräftigt. Gewerkschaften werten die Ansage von Bundesinnenminister Otto Schily, dass nur eine Eins vor dem Komma stehen werde, als Kampfansage. Das sei "Sprengstoff für die Tarifrunde", sagten übereinstimmend der ÖTV-Vorsitzende Herbert Mai und der DAG-Verhandlungsführer Christian Zahn. Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes hätten einen Anspruch darauf, mit den Einkommen der privaten Wirtschaft Schritt zu halten. Sonderopfer kämen nicht in Frage.

Am Dienstagabend relativierte Mai jedoch seine Aussage und rückte von der Fünf-Prozent-Forderung ab, bevor die Verhandlungen offiziell begonnen haben: Ein Abschluss mit einer Zwei oder Drei vor dem Komma bezeichnete er als gutes Ergebnis. Eine schnelle Einigung sei möglich. Chemie- und Metallbranche hätten auch überraschend schnell Durchbrüche erzielt. Allerdings warnte er vor zu viel Optimismus. Der besondere Streitpunkt sei die geforderte Angleichung der Ostgehälter.

Im Osten der Republik müssten Löhne und Gehälter stufenweise an das Westniveau angepasst werden, so die Gewerkschaftsforderungen. Ein entsprechender Stufenplan müsse eine "klare zeitliche Perspektive" für die Beschäftigten in Ostdeutschland aufweisen, betonten Mai und Zahn. In Ostdeutschland wird derzeit 86,5 Prozent des Westlohns für eine 40-Stunden-Woche bezahlt, während im Westen tariflich 1,5 Stunden wöchentlich weniger gearbeitet wird.

Zudem verlangen die Gewerkschaften zusätzliche Ausbildungsplätze und eine verbesserte Altersteilzeit. Ferner soll das seit 1993 nicht mehr erhöhte Weihnachtsgeld wieder angehoben werden.



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