Technische Probleme Boeing verschiebt Jungfernflug für Dreamliner

Die technischen Probleme zwingen Boeing zur Notbremsung: Bei der Entwicklung seines Hoffnungsträgers Dreamliner ist der US-Flugzeugbauer mit ähnlichen Schwierigkeiten konfrontiert wie zuvor Airbus beim A380. Der für Ende September geplante Jungfernflug wurde abgesagt.


New York - Die Premiere solle nun erst Mitte November bis Mitte Dezember stattfinden, sagte Scott Carson, Chef der Boeing Chart zeigen-Sparte Verkehrsflugzeuge heute in einer Telefonkonferenz. Grund seien die anhaltenden Probleme beim Gewicht des Flugzeugs, die komplizierte Installation von Software sowie bei der Verkabelung.

Der Zeitplan für die Erstauslieferung des Flugzeugs könne trotz der Probleme eingehalten werden, beteuerte das Unternehmen. Die ersten Kunden würden ihre Maschinen wie geplant im Mai 2008 bekommen. "Der Zeitplan ist ziemlich eng", räumte 787-Programmchef Mike Bair ein. Je später der Erstflug, desto schwieriger werde die pünktliche Auslieferung.

Noch im August hatte Boeing Medienberichte dementiert, denen zufolge eine Verschiebung des Jungfernflugs wegen technischer Schwierigkeiten bevorstehe. Die Ankündigung dürfte bei Kunden und Aktionären die Sorge auslösen, Boeing könne ähnlich wie der europäische Rivale Airbus bei seinen Maschinen A380 und A350 erst mit Verzögerung liefern.

Sollte Boeing den Auslieferungstermin nicht einhalten können, könnte es teuer werden, da dann meist Schadensersatzzahlungen an die Fluggesellschaften anfallen. Boeings Erzrivalen Airbus kosteten die rund zweijährigen Lieferverzögerungen seines Super-Airbus A380 mehrere Milliarden Euro.

Boeing hatte ursprünglich August als Termin für den Erstflug avisiert. Bei der feierlichen Vorstellung des Flugzeugs am 8. Juli war dann Anfang September für den Erstflug angepeilt worden. Gut drei Wochen später wurde eine Verschiebung auf Ende September bekannt gegeben. Zudem räumte Boeing-Chef Jim McNerny ein, dass in diesem Jahr bis zu 500 Millionen Dollar zusätzlich in das Programm gepumpt werden, um die Probleme zu lösen.

Die Dreamliner-Flugzeuge sind die erste Boeing-Neuentwicklung seit 13 Jahren und werden von Fachwelt und Luftfahrt-Fans mit Spannung erwartet. Anfang Juli hatte der Hersteller die als revolutionär gehandelte Maschine in einem großen PR-Event der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Wichtigstes Novum ist, dass das Flugzeug nicht mehr überwiegend aus Metall, sondern zu 50 Prozent auf Kohlefaser-Verbundteilen und zu 15 Prozent aus Titan besteht. Dadurch soll der Dreamliner viel leichter und bis zu 20 Prozent sparsamer sein als Flugzeuge vergleichbarer Größe.

Insgesamt hat Boeing rund 700 Bestellungen von 48 Kunden für die 787 in den Büchern. Damit sind die Amerikaner weitaus erfolgreicher als die Europäer mit ihrem Airbus A350, der erst 2013 und damit fünf Jahre später auf den Markt kommen soll.

mik/AFP/Reuters



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