Technologiegipfel Milliardenschub für die IT-Branche

Kanzlerin Merkel lädt zum nationalen IT-Gipfel: Manager, Wissenschaftler und Politiker beraten, wie sich der Informationstechnologie-Standort Deutschland stärken lässt. Die Bundesregierung will die Branche in den kommenden Jahren mit 1,2 Milliarden Euro fördern.


Potsdam/Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will der Informationstechnologie in Deutschland neue Impulse geben. Aus diesem Grund kommen sie und mehrere Kabinettsmitglieder heute in Potsdam mit Managern aus der Computerbranche und Wissenschaftlern zusammen. In Arbeitsgruppen sollen unter anderem Schritte gegen den Fachkräftemangel in der Branche erarbeitet werden.

Man wolle die Informationstechnologie-Branche in den nächsten drei Jahren mit 1,2 Milliarden Euro fördern, erklärte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) im "Morgenmagazin". Die Mittel seien Teil der rund 15 Milliarden Euro, die im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesregierung bis 2009 bereitgestellt werden sollen, hatte der "Tagesspiegel" im Vorfeld berichtet.

Das Geld solle nicht nur in sogenannte große Leuchtturmprojekte fließen, sondern auch kleinen Start-ups zur Verfügung gestellt werden, sagte Glos. Man wolle "keine Talente am Wegesrand liegen lassen". Es gehe bei dem Gipfel auch darum, junge Menschen zu motivieren, einen Beruf in der Branche zu wählen. Auf die Frage, warum die Deutschen in der Informationstechnologie so weit zurückgefallen seien, erklärte Glos, deutsche Studenten seien "ein bisschen bequem geworden". Viele wählten lieber "Betreuungsberufe" statt des anstrengenden Ingenieurstudiums, das müsse sich ändern.

Gastgeber des ersten nationalen Gipfels zur Informationstechnologie ist das privat finanzierte Hasso-Plattner-Institut. Die Informations-, Kommunikations- und Telekommunikationstechnologien sind nach Angaben des Instituts mit einem Umsatz von rund 135 Milliarden Euro und mehr als 1,5 Millionen Beschäftigten eine der größten Branchen bundesweit. Seit dem Internetboomjahr 2000 sei die Zahl der Studienanfänger im Bereich Informatik aber um mehr als 26 Prozent zurückgegangen.

Merkel sagte, Deutschland solle wieder eine führende Rolle in der Informationstechnologie spielen. Sie wolle mit dem IT-Gipfel einen Anstoß dafür geben, dass "Made in Germany" auch in diesem Bereich wieder ein Siegel für Güte und Qualität werde.

Von Regierungsseite nehmen neben Merkel und Forschungsministerin Schavan Wirtschaftsminister Glos und Innenminister Schäuble teil. Die Wirtschaft ist mit den Unternehmen Deutsche Telekom, Arcor, Ebay Deutschland, Software AG und Giesecke & Devrient vertreten. Der Bundes-Datenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisierte, dass kein Datenschützer zu dem Treffen eingeladen wurde. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" forderte er von der Konferenz, besonders darauf zu achten, dass die Informationsgesellschaft nicht zu einer Überwachungsgesellschaft werde.

DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun forderte die Bundesregierung auf, eine Kehrtwende in der Zuwanderungspolitik zu vollziehen. "Wir müssen den Arbeitsmarkt für gut ausgebildete Ausländer stärker öffnen", sagte er dem "Handelsblatt". Nicht wenige Betriebe auch in der IT-Branche suchten vergeblich nach qualifizierten Fachkräften. Die im Zuwanderungsgesetz angelegten Hürden für Hochqualifizierte und ausländische Selbstständige seien viel zu hoch und wirkten eher abschreckend als einladend.

phw/ddp/dpa



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