Teil 2 "Wir sind doch nicht in Beirut hier"


In New York ist die Auto-Krise besonders offensichtlich. Beim Chrysler-Händler "King's Plaza" in Brooklyn sind seit der Attacke zwei von acht Verkäufern entlassen worden. Von den drei Putzleuten ist nur noch einer da, am Ende des Monats werden zwei Mechaniker gehen müssen. Der Ausstellungsraum ist leer.

"Im Moment kommen nur die Leute, die wirklich ein Auto brauchen", sagt Robert Patel, seit zwei Jahren Verkäufer. Zwar kauften sie die selben Modelle wie vorher, aber immer öfter nähmen sie die Spar-Version. Durchschnittlich, sagt Patel, verzichteten die Kunden auf Extras im Wert von 4000 Dollar - bei Ratenzahlung etwa 50 Dollar im Monat.

Die vergangenen fünf Tage habe das Geschäft leicht angezogen, sagt Negron. Aber es sei immer noch 70 Prozent unter normal. "Die Kunden fragen sofort nach dem Null-Prozent-Angebot", sagt er. Das werde hinterher die Bilanz erheblich belasten.

Auch die Preise von Gebrauchtwagen sind seit der Attacke stark gefallen. Bei der Major Automotive Group in Queens gehen Cadillacs jetzt für 15.000 Dollar weg, vorher waren es locker 25.000 Dollar. Dabei brummt das Gebrauchtwagen-Geschäft - zumindest im Vergleich zum Neuwagenverkauf. Sogar neue Leute wurden eingestellt. "An meinem ersten Tag habe ich drei Caddies verkauft", sagt Richard, der seinen Nachnamen nicht nennen will. Der 25-Jährige hat seinen Job bei einer Investmentfirma neben dem World Trade Center verloren. Einen neuen Job in der Finanzwelt hat er erst im Dezember. Solange verkauft er Autos, um es sich zu beweisen. "Hey, ich kann Eis an Eskimos verkaufen", sagt er grinsend.

Anderen ist der Humor längst vergangen. George Papas, der seit drei Jahren den fahrbaren Gyros-Stand vor dem Gebrauchtwagenparkplatz betreibt, macht nur die Hälfte seines gewohnten Umsatzes. "Niemand kauft Autos", sagt er. "Die Leute haben Angst. Gestern im Fernsehen haben sie Nationalgardisten mit Maschinenpistolen im Flughafen gezeigt." Wenn das so weitergehe, sagt Papas, ziehe er zurück nach Griechenland: "Wir leben doch nicht in Beirut hier".

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