Telekom 180 Milliarden Euro für Einkäufe

Telekom-Chef Ron Sommer wird nicht müde, die Größe seiner Kriegskasse zu betonen. Zu einer möglichen Sprint-Übernahme äußerte er sich jedoch sehr zurückhaltend.


Redet gerne von der Kriegskasse: Ron Sommer
AP

Redet gerne von der Kriegskasse: Ron Sommer

Poitiers - "Das Limit für künftige Übernahmen entspricht bei uns dem Börsenwert der Telekom, und der liegt zurzeit bei 180 Milliarden Euro", sage Sommer. Angesprochen auf den jüngsten Einbruch der T-Aktie, wiegelte er ab: "Wir haben eine gesunde Wachstumspolitik, und wir haben auch unsere Hausaufgaben gemacht."

Mit Blick auf die seinem Konzern nachgesagten Ambitionen auf dem US-Markt blieb der Telekom-Vorstandschef verschlossen:"Wir haben Optionen im Auge, wollen momentan aber aus verständlichen Gründen nicht darüber reden." Erstaunt zeigte er sich darüber, dass sich die Deutsche Telekom als Kandidat für eine Übernahme des US-Unternehmens Sprint im Zentrum der Spekulation befindet. Er sei davon ausgegangen, dass die Fusion von Worldcom und Sprint zu Stande komme, die Telekom müsste jetzt erst einmal genau prüfen, ob eine Übernahme von Sprint sinnvoll sei.

Die Kartellwächter in Brüssel und USA hatten vor kurzem die geplante Mammutfusion zwischen den US-Telekomriesen WorldCom und Sprint untersagt. Die von der Branche auf 100 Milliarden Dollar taxierte drittgrößte US-Gesellschaft für Ferngespräche ist mit Festnetz, Internet und Mobilfunk in den Kerngeschäften der Telekom aktiv. Die Deutsche Telekom, die gerade erst mit umgerechnet 30 Milliarden Mark weltweit die höchste Anleihe begeben hat, ist an ihr bereits mit zehn Prozent beteiligt.

Fragen zu Spekulationen, wonach die Telekom den zehnprozentigen Sprint-Anteil des einstigen Partners France Télécom per Tauschgeschäft erwerben könnte, wich Sommer aus. Die Franzosen sind mit der Telekom wegen der geplanten Übernahme der Telecom Italia 1999 tief zerstritten. "Alles, was mit France Télécom zu regeln war, wurde professionell geregelt. Offen ist nur noch das Thema Italien", sagte Sommer mit Blick auf einen 25-prozentigen Anteil am italienischen Mobilfunkbetreiber Wind, von dem sich die Bonner trennen wollen. Als Konsequenz der geplatzten Partnerschaft mit den Franzosen hat Sommer eine Erkenntnis gewonnen: "Es ist die Erkenntnis, dass Fusionen uns nicht voranbringen, sondern Akquisitionen und einfache Strukturen."



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