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06. Juli 2001, 10:20 Uhr

Telekom

Börse überprüft Zulassung

Die Frankfurter Wertpapierbörse prüft die Rechtmäßigkeit der Börsenzulassung von rund 1,1 Milliarden Aktien der Telekom. Ein Rechtsanwalt hatte wegen der umstrittenen Immobilienbewertung Widerspruch eingelegt.

Die Zulassung der T-Aktie wird derzeit überprüft
DPA

Die Zulassung der T-Aktie wird derzeit überprüft

Frankfurt - Ein Sprecher der Börse sagte in Frankfurt, die zuständige Zulassungsstelle der Börse prüfe den Widerspruch gegen die Zulassung zum Börsenhandel der aus einer Kapitalerhöhung stammenden Aktien "schnell". Gegen die Zulassung hatte ein Rechtsanwalt Widerspruch eingelegt, der gegen die Telekom wegen möglicher Falschbilanzierung des Immobilienbestandes klagt.

Rechtsanwalt Said Kuhlig begründete seinen Widerspruch damit, dass die Zulassungsstelle der Börse gegen Rechtsvorschriften verstoßen habe. So habe die Telekom keinen Abschluss als Telekom AG bei der Börsenzulassung eingereicht, sondern nur einen Konzernabschluss, sagte Kuhlig. Eine von der Pflicht zur Vorlage eines AG-Abschlusses befreiende Ausnahmeregelung sei nicht anwendbar, da sich wegen der umstrittenen Immobilienbewertung der Telekom Unterschiede zwischen dem Einzelabschluss und dem Konzernabschluss ergäben.

Wirtschaftliche Lage unklar?

Der Rechtsanwalt sagte weiter, die Börse hätte zudem die Zulassung der Aktien verweigern müssen, weil die wirtschaftliche Lage der Telekom unklar sei, da die Staatsanwaltschaft wegen der Immobilienbewertung auf mögliche Falschbilanzierung ermittle. Der Jenaer Anwalt hat Ende Februar gegen die Telekom eine Prospekthaftungsklage eingereicht und ist zudem Korrespondenzanwalt für eine US-Kanzlei, die die Telekom ebenfalls auf Schadensersatz verklagt hat.

Im Falle der Rücknahme der Börsenzulassung würde sich die Zahl der zum Handel zugelassenen Telekom-Aktien um die neuen Stücke reduzieren. Nach Angaben des Börsensprechers ist ein solcher Fall bislang nicht bekannt. Nach Angaben von Rechtsanwalt Kuhlig wäre in einem solchen Fall die Frage nach Schadensersatz durch die Eigentümer der aus dem Aktientausch stammenden Telekom-Aktien zu stellen.

Ein Sprecher der Telekom wollte dazu keine Stellungnahme abgeben und verwies auf die Zulassungsstelle der Börse. Die Telekom hatte mit den Aktien und einem Baranteil die Übernahmen der beiden US-Mobilfunkfirmen VoiceStream und Powertel bezahlt. Dazu waren aus einer Kapitalerhöhung rund 1,1 Milliarden Aktien an die Aktionäre der beiden Firmen ausgegeben worden. Zu den Aktionären zählten neben Kleinaktionären und Pensionsfonds auch die Telekommunikationskonzerne Sonera und Hutchison Whampoa. Während für mehr als die Hälfte der neuen Aktien mit den Großinvestoren Haltefristen vereinbart wurden, ist ein Teil der neuen Stücke bereits wieder an den Markt zurückgeflossen.

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