Telekom Festnetzsparte geht es immer schlechter

Es ist ein durchwachsenes Quartalsergebnis: Zwar konnte die Deutsche Telekom Umsatz und Gewinn ordentlich steigern – das verdankte der Telekomriese aber vor allem dem Mobilfunkgeschäft in den USA und in Großbritannien. Der Festnetzsparte T-Com geht es schlechter denn je.


Bonn – Das Festnetzgeschäft bleibt das Sorgenkind bei der Deutschen Telekom: Der Umsatzverfall bei T-Com beschleunigte sich zum Jahresauftakt noch. Die Erlöse der Sparte gingen im ersten Quartal um fast sechs Prozent auf 5,9 Milliarden Euro zurück, wie der Konzern mitteilte. Im gesamten vergangenen Jahr hatte der Schwund noch bei 3,5 Prozent gelegen.

Telekom-Zentrale in Bonn: Mobilfunk ist Wachstumstreiber
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Telekom-Zentrale in Bonn: Mobilfunk ist Wachstumstreiber

Vor allem der Verlust von Hausanschlüssen mache T-Com Probleme. Immer mehr Menschen telefonierten per Handy anstatt über einen Festnetzapparat, schrieb der Konzern in seinem Zwischenbericht zur Begründung.

Bei den DSL-Anschlüssen setzte sich das Wachstum dagegen fort. In den ersten drei Monaten stieg die Zahl um 735.000 auf 9,2 Millionen. In Deutschland waren Ende März rund 8,6 Millionen Breitbandanschlüsse in Betrieb, ein Zuwachs von 643.000. Allerdings wurden davon 560.000 von Wettbewerbern der Telekom vermarktet. Die Telekom selbst gewann per saldo rund 80.000 Kunden hinzu.

Mobilfunk verhalf zu Gewinnsteigerung

Insgesamt konnte Europas größter Telekommunikationskonzern im ersten Quartal Umsatz und den operativen Gewinn steigern - dank der guten Entwicklung des Mobilfunkgeschäfts. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) war im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,7 Prozent höher und betrug fünf Milliarden Euro. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt für das erste Quartal mit einem Ebitda von 4,98 Milliarden Euro gerechnet. Der Umsatz stieg im Auftaktquartal um 3,9 Prozent auf 14,8 Milliarden Euro. Analysten hatten hier im Durchschnitt mit rund 15 Milliarden Euro gerechnet. Unter dem Strich verbuchte die Telekom einen Gewinn von rund 1,1 Milliarden Euro, ein Plus von 9,7 Prozent.

"Das Geschäftsfeld Mobilfunk ist nach wie vor der Wachstumstreiber", sagte Vorstandschef Kai-Uwe Ricke. Die Sparte machte im ersten Quartal fast 50 Prozent des Konzernsumsatzes aus. Das Umsatzplus von T-Mobile International von 12,3 Prozent ging aber auf die Entwicklung in den USA und in Großbritannien zurück, während die deutsche Tochter wegen des anhaltenden Preisdrucks und einer Reduzierung der Terminierungsentgelte ein Umsatzminus von 3,4 Prozent auf zwei Milliarden Euro verzeichnete.

Auch die Kundenwerbung von T-Mobile verlief in Deutschland nicht so gut wie von Experten erwartet. Im Heimatmarkt kamen im ersten Quartal 284.000 Kunden hinzu, Analysten hatten 309.000 erwartet. Die KPN-Tochter E-Plus gewann im ersten Quartal 694.000 Kunden. Insgesamt gewann T-Mobile im ersten Quartal 1,1 Millionen Kunden, davon allein in den USA 1,035 Millionen, deutlich mehr als von Analysten erwartet. Das bereinigte Ebitda legte im Mobilfunk um acht Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zu. Allerdings verzeichnete auch hier T-Mobile Deutschland einen Rückgang.

Für 2006 erhöhte die Telekom die Umsatzprognose für den Mobilfunk auf bis zu 32,3 Milliarden Euro statt der bisher Vorhersage von bis zu 31,3 Milliarden Euro. In der Sparte Breitband/Festnetz erwartet der Konzern nun allerdings nur noch einen Umsatz von bis zu 25,2 Milliarden Euro, bislang hatte die Telekom hier bis zu 25,8 Milliarden Euro für möglich gehalten. Beim Umsatz blieb der Konzern bei seinen Prognosen und erwartet damit im laufenden Geschäftsjahr weiterhin bis zu 62,7 Milliarden Euro. Auch die Prognose für das Ebitda bleibt gleich bei bis zu 20,7 Milliarden Euro.

ase/Reuters/ddp



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