Telekom Griff nach roten Handys

Die Deutsche Telekom will sich angeblich mit Vodafone und NTT DoCoMo zusammenschließen, um den in Hongkong notierten Teil von China Mobile zu kaufen. Damit könnte der Einstieg auf den wachstumsträchtigen chinesischen Mobilfunkmarkt gelingen.


Bonn - Deutsche Telekom, Vodafone Group und die japanische NTT DoCoMo wollen offenbar beim größten Mobilfunk-Anbieter Chinas, der China Mobile, einsteigen.

Vodafone hat sich bereits zu der strategischen Allianz bekannt. Die Briten wollen dazu im Zuge der Ausgabe neuer Aktien von China Mobile einen Anteil im Wert von 2,5 Milliarden Dollar erwerben. Der Erlös aus dem Aktienangebot der Hongkonger Mobilfunkbetreiberin diene der Akquisition von sieben lokalen Mobilfunknetzen in China. Die Allianz soll bis zum 28. Februar 2001 abgeschlossen sein, hieß es. Sprecher von Telekom und NTT DoCoMo wollten zu dem möglichen Einstieg bei China Mobile bisher keinen Kommentar abgeben. Die Japaner gaben aber zu, dass sie China Mobile weiterhin als attraktiv bewerteten.

Die Übernahme der in Hongkong notierten Gesellschaft dürfte wenigstens eine Milliarde Dollar kosten, berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg".

Eine Übereinkunft könnte bereits in der kommenden Woche erzielt werden, zitiert die Agentur unternehmensnahe Kreise. Es sei aber auch möglich, dass Vodafone das Geschäft allein macht.

China Mobile bringt nicht nur 23,9 Millionen Kunden mit, sondern sichert den Käufern auch einen Zugang zum riesigen chinesischen Markt. Hier haben noch weniger als fünf Prozent der 1,2 Milliarden Einwohner ein Mobilfunk-Gerät, Analysten erwarten jedoch für die Zukunft einen sprunghaften Anstieg.

An der Börse sorgt die mögliche Übernahme bereits für Spekulationen - die Aktien von China Mobile, die seit Anfang März rund ein Drittel ihres Wertes verloren, zogen im frühen Handel in Hongkong rund 2,5 Prozent an. Auch die Telekom-Aktie gewann im Frankfurter Handel gut eineinhalb Prozent.

Mit dem Verkaufserlös könnte China Mobile konkurrierende Mobilfunk-Netze in sieben chinesischen Städten, darunter Peking und Shanghai, aufkaufen. Diese Netze gehören der staatlichen Muttergesellschaft von China Mobile.

Neben dem Verkauf plant China Mobile weitere Kapitalmaßnahmen, darunter eine mit voraussichtlich 1,45 Milliarden Dollar dotierte Anleihen-Emissionen - die bislang größte der chinesischen Privatwirtschaft.



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