Telekom-Krise Aktionärsschützer wollen gegen Sommer vorgehen

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vermutet, dass die Telekom die zu hohe Bewertung ihrer Immobilien nicht schnell genug gemeldet hat. Eine Prospekthaftungsklage wird momentan geprüft.


Düsseldorf - Vor allem sei zu untersuchen, inwieweit das Aktualistätsgebot bei der Prospekterstellung für die zweite und dritte Aktienplatzierung des Konzerns ausreichend erfüllt worden sei, hieß es in einer Mitteilung der DSW.

Bereits seit einigen Jahren habe sich der Immobilienmarkt auf niedrigem Niveau konsolidiert. "Der Verdacht liegt nahe, dass die Aktionäre hier nicht - wie notwendig - zeitnah informiert wurden", erklärte die Schutzvereinigung. Neben der DSW prüft auch die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre ein Klage.

Die Telekom hatte am Mittwoch eine Wertberichtigung auf ihren Immobilienbestand von zwei Milliarden Euro bekannt gegeben, womit der Buchwert auf 15,2 Milliarden Euro sinkt. In Folge dessen verringert sich der Konzernüberschuss des vergangenen Jahres um 1,5 Milliarden auf 5,9 Milliarden Euro. Diese Nachricht hatte zu einem neuerlichen Kursturz der T-Aktie geführt.

Die DSW sieht eine sehr starke Verunsicherung und ein Vertrauensdefizit bei den Telekom-Aktionären. Der Vorstand des Unternehmens lasse die Anleger im Unklaren über die Gründe für die massive Immobilien-Wertberichtigung, die eine Gewinnschmälerung nach sich zieht, sagte DSW-Sprecherin Petra Krüll am Donnerstag der Nachrichtenagentur vwd. "Die Telekom ist aber in einer Situation, in der sie ihr Handeln transparent machen muss." Die Unzufriedenheit der Aktionäre sei "eklatant". Krüll fügte hinzu, die Wahrscheinlichkeit, dass die DSW tatsächlich eine Prospekthaftungsklage einreiche, sei höher, als davon abzusehen.



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