Telekom-Prozess Ron Sommer sagt unter Polizeischutz aus

Für Telekom-Aktionäre gehört Ron Sommer auf die Anklagebank: Im Schadensersatzprozess gegen die Deutsche Telekom musste sich der Ex-Vorstandschef indirekt für seine Amtsführung rechtfertigen. Sommer wirkte nervös - die erhoffte Selbstkritik blieb aus.


Frankfurt am Main - Dunkler Maßanzug, rot-silbern schimmernde Krawatte - auf den perfekten Auftritt versteht sich der einstige Vorstandschef der Deutschen Telekom heute noch. Ron Sommer war am dritten Verhandlungstag des großen Telekom-Prozesses angetreten, um seine Version der Geschehnisse zu erklären - als Zeuge der Verteidigung.

Ex-Telekom-Chef Sommer: Einigung als unwahrscheinlich eingeschätzt
DDP

Ex-Telekom-Chef Sommer: Einigung als unwahrscheinlich eingeschätzt

Etwas mehr Emotionen und vor allem mehr Interesse hatte das Frankfurter Oberlandesgericht schon erwartet: Immerhin hatte man eigens einen großen Saal für die Verhandlung ausgewählt und eine große Polizeieskorte für Sommer bereitgestellt. Doch Hektik und Gerangel herrschte allein unter den vielen Fotografen und Kameraleuten, die ein Bild des einstigen Supermanagers schießen wollten. Ansonsten herrschte im Saal gähnende Leere.

Möglicherweise wollten sich die meisten der beteiligten Kleinanleger die Aussage des Managers erst gar nicht antun. Denn vor Gericht gab Sommer lediglich den Standpunkt zu Protokoll, den er schon immer vertreten hatte. Fehler in seiner Amtsführung gestand der promovierte Mathematiker auch indirekt zu keinem Zeitpunkt ein.

Im Gegenteil: Die Vorwürfe der Kläger wies er in vollem Umfang zurück. Etwa den Vorwurf, über den Milliardenzukauf des US-Unternehmens Voicestream zu spät informiert zu haben. Sommer räumte lediglich ein, schon vor der Aktienplazierung mit VoiceStream gesprochen zu haben. "Das Treffen, das wir am 13. März in einem New Yorker Hotel hatten, war ein Abtasten vom Vorstand von VoiceStream und uns", sagte der frühere Vorstandschef. Nach den ersten Gesprächen habe er eine Einigung aber als "eher unwahrscheinlich" eingeschätzt. Erst als Geheimverhandlungen zur Übernahme eines anderen US-Unternehmens gescheitert waren, seien die Verhandlungen mit VoicesStream Mitte Juli 2000 wieder intensiviert worden.

Die Telekom hätte in ihrem Börsenprospekt für den dritten Aktienverkauf über die geplante Übernahme informieren müssen, behaupten dagegen die Kläger. Der Zukauf, mit dem die Telekom auf ihrem heutigen Wachstumsmarkt Fuß fasste, ist einer der Hauptstreitpunkte in dem Mammutverfahren. Die insgesamt rund 16.000 klagenden Anleger verlangen Schadensersatz für erlittene Kursverluste der T-Aktie.

Die Telekom habe frühzeitig beschlossen, sich vom deutschen Markt unabhängiger zu machen und verschiedene Optionen geprüft. Mit dem Kauf von VoiceStream und Powertel habe der Konzern seine Position gegenüber Hauptwettbewerber Vodafone stärken und den europäischen Mobilfunkstandard GSM in den USA etablieren wollen, erklärte Sommer die damalige Strategie.

Am Ende hatte die Telekom für VoiceStream unter Regie von Sommer annähernd 40 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt. Die Ankündigung im Juli 2000 erfolgte gut einen Monat nach der Plazierung der Telekom-Papiere zu je 66,50 Euro. Heute notiert die Aktie noch bei elf Euro.

Die T-Aktie, für die der einst wie ein Popstar gefeierte Sommer die Werbetrommel als "sichere Anlage" gerührt hatte, hat seit den Boomzeiten Anfang 2000 erheblich an Wert verloren. Im Frühjahr 2001 kürzte die Telekom in Folge korrigierter Immobilienwerte ihren Gewinn im Jahresabschluss 2000 um 1,5 Milliarden Euro.

Mit der Übernahme von VoiceStream im Sommer 2001 stieg die Verschuldung des Konzerns letztlich auf den Rekordstand von 71 Milliarden Euro. Es folgte die Absage des Börsengangs der Tochter T-Mobile wegen des schwachen Umfelds. Am 26. Juni 2002 erreichten die Papiere schließlich ihren Tiefpunkt bei einem Kurs von 8,14 Euro - im Vergleich zum Höchststand ein Minus von 92 Prozent. Am 16. Juli 2002 kündigte Sommer im Streit mit dem Aufsichtsrat seinen Rücktritt an. Heute ist er Berater unter anderem für den Finanzinvestor Blackstone, der mit 4,5 Prozent an der Telekom beteiligt ist.

mik/Reuters/ddp/AFP/dpa-AFX



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.