Telekom-Skandal Führung soll Bespitzelung angeordnet haben

War die Telekom-Konzernspitze doch nicht ahnungslos? Die Bespitzelung von Gewerkschaftern soll auf Anweisungen der Führung zurückgehen. Laut einem TV-Bericht könnte der Wunsch nach Überwachung direkt von Ex-Telekom-Chef Ricke und Ex-Aufsichtsratschef Zumwinkel gekommen sein.


Mainz/Bonn - Der damalige Chef der Telekom Chart zeigen, Kai-Uwe Ricke, und der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel sollen die Überwachung von Mitarbeitern und Gewerkschaftern selbst angeordnet haben. Wie das ARD-Magazin "Report Mainz" berichtet, verfügt es über interne Akten der Telekom, darunter streng vertrauliche Aufsichtsrats- und Befragungsprotokolle sowie internen Mailverkehr bis in die Konzernspitze.

Ex-Telekom-Chefs Ricke (links) und Zumwinkel: "Über Jahre systematisch und großflächig realisiert"
DDP

Ex-Telekom-Chefs Ricke (links) und Zumwinkel: "Über Jahre systematisch und großflächig realisiert"

Danach habe der vor kurzem verhaftete Hauptverdächtige des Spitzelskandals auf Anweisung von Ricke und Zumwinkel gehandelt, um eine undichte Stelle im Konzern zu finden. Diese Aktion sei dann über Jahre systematisch und großflächig realisiert worden.

Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum, Anwalt der ausgespähten Gewerkschafter, bezeichnete den Verdächtigen dem Magazin zufolge als Marionette, die "sich sehr geschmeichelt gefühlt" habe, "von ganz oben, unter Umgehung aller sonstigen Weisungsstränge, beauftragt worden" zu sein. Dabei habe er "eine erhebliche kriminelle Energie entwickelt".

Das Vorstandsmitglied der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, Lothar Schröder, sagte dem Magazin, offenbar seien gerade während Tarifverhandlungen Verbindungsdaten vor allem der Arbeitnehmervertreter erhoben worden. Demnach stellten die Bespitzelten immer wieder fest: "Das war gerade dann, als ich diese oder jene Gespräche geführt habe, als die oder jene schwierige Verhandlung lief." Dies könne zwar ein Zufall sein, "aber die Häufigkeit, mit der Derartiges auftritt, macht schon hellhörig", erklärte Schröder weiter.

Der ehemalige Ver.di-Vorstand Rolf Büttner gab an, im August 2005 ausgespäht worden zu sein, als die Gewerkschaft einen Generalstreik im Postkonzern vorbereitete. Büttner gehörte dem Konzern damals nicht an, sondern war stellvertretender Aufsichtsratschef der Post. "Es gab Merkwürdigkeiten: ein Einbruch in meinem Büro in Bingen, ein Einbruch in meinem Ver.di-Büro in Berlin und ein Einbruch in meine Wohnung in Berlin. Das alles an einem Tag", sagte er weiter.

sam/ddp/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.