Telekom-Spitzelaffäre "Capital"-Redaktion sucht Telekom-Maulwurf

Hat die Telekom Gelder für ausgefallene sexuelle Vorlieben gezahlt - um so einen Maulwurf zu rekrutieren, der einen "Capital"-Redakteur bespitzeln sollte? Die unbestätigten Gerüchte beschäftigen jetzt die Leitung des Wirtschaftsmagazins und die Staatsanwaltschaft.


Hamburg - Die Leitung des Wirtschaftsmagazins "Capital" hat bisher keinen klaren Hinweis auf den Maulwurf, der im Auftrag der Telekom Redaktionsinterna an die Konzernsicherheit berichtet haben soll. Jetzt geht sie nach Informationen des SPIEGEL der Sache nach.

Grundlage der internen Untersuchung ist ein bisher unbestätigtes Gerücht, dem zufolge die Telekom angeblich einem Mitarbeiter des Magazins unter anderem ausgefallene sexuelle Vorlieben finanziert haben soll - im Gegenzug für eine Maulwurf-Tätigkeit. Im Detail soll der Maulwurf eine eidesstattliche Versicherung über eine hochrangige Persönlichkeit der Telekom abgegeben haben, die dem "Capital"-Redakteur Reinhard Kowalewsky vertrauliche Konzerninformationen verschafft haben soll. Auf diese Weise sollte der hochrangige Konzernmann als Informant des Journalisten gebrandmarkt werden.

Ehemaliges Führungsduo Ricke, Zumwinkel: Immer stärker unter Druck
DPA

Ehemaliges Führungsduo Ricke, Zumwinkel: Immer stärker unter Druck

Der angebliche Maulwurf ist auch Gegenstand der Ermittlungen der Bonner Staatsanwaltschaft. "Wir wissen bislang nicht wirklich, ob und wann es einen Maulwurf gegeben hat", sagt Carsten Prudent, stellvertretender Chefredakteur. Derzeit sehe man sich an, wer zur fraglichen Zeit vorübergehend in der Redaktion tätig war. Bisher gab es nur einen vagen Hinweis, doch der Mann, der dabei genannt wurde, habe glaubhaft dementiert.

Neben Kowalewsky misstrauisch beäugt wurden in den bisher bekannten Überwachungsaktionen 2005 und 2006 auch Jürgen Berke von der "Wirtschaftswoche" und Anne Preissner vom manager magazin, das zur SPIEGEL-Gruppe gehört. Schon zu Beginn des Jahrzehnts wurde außerdem Tasso Enzweiler ausgespäht, damals Reporter bei der "Financial Times Deutschland".

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Ein ausführliches Interview mit dem früheren Telekom-Sicherheitschef Hans-Jürgen Knoke sehen Sie am Sonntag, 22.20 Uhr, auf RTL im SPIEGEL TV Magazin.
Wer die Anweisung zur illegalen Überwachung der Reporter gegeben hat, ist noch nicht geklärt - fest steht: Der Druck auf Klaus Zumwinkel und Kai-Uwe Ricke wächst. Klaus Trzeschan, ehemaliger Sicherheitschef der Telekom, hat den früheren Aufsichtsrats- und Vorstandschef nach SPIEGEL-Informationen in einer Anhörung im Konzern schwer belastet. In der Anhörung, deren Erkenntnisse der Bonner Staatsanwaltschaft vorliegen, sagte Trzeschan, dass ihm die Ermittlungsaufträge von Ricke und Zumwinkel erteilt worden seien. Beide sollen später jedoch nicht über konkrete Modalitäten der Ausführung unterrichtet worden sein.

Ein Teil der Spitzeldienste wurde nach SPIEGEL-Informationen im November 2006 von einer gemeinsamen Kostenstelle Zumwinkels und René Obermanns abgebucht, des frisch angetretenen Telekom-Vorstandschefs und Ricke-Nachfolgers. Freigegeben wurde das Geld offenbar von dem damals gemeinsamen Büroleiter der beiden Manager. Obermann beteuert auf Anfrage des SPIEGEL: "Ich habe die Rechnung nie gesehen." Ein Sprecher Zumwinkels sagte: "Ein Aufsichtsratsvorsitzender hat keine Vollmachten für Konten des Unternehmens."

Dass in der Telekom offenbar schon früher Spähaktionen gegen Journalisten und ihre Informanten unternommen wurden, hatte Hans-Jürgen Knoke bestätigt, von 1998 bis 2004 Sicherheitschef des Konzerns - also auch noch unter der Ära von Vorstandschef Ron Sommer. "Der Vorstand hat Unzufriedenheit bekundet, dass permanent Interna in die Presse gelangen. Das ging klatsch, klatsch, klatsch, jeden Tag 'ne neue Meldung", sagte Knoke. Deshalb habe man geschaut, wer Zugang zu Unterlagen und Kontakte zu Journalisten hatte. "Dann haben wir Maßnahmen ergriffen."

Auf die Frage, welche Maßnahmen das waren, sagte Knoke: "Wir haben observiert. Man steht an der Ecke und schaut." In Bezug auf Enzweiler berichtete Knoke: "Na, wir haben bei Enzweiler mal vor der Haustür gestanden. Dann haben wir abgebrochen." Sommer bestreitet eine Mitwisserschaft bei den Spähaktionen. Knoke sagt: "Ich habe dem Vorstand gesagt, wir wissen nicht, wer der Maulwurf ist." Dann fügt er im ironischen Tonfall hinzu: "Der Ron Sommer hat sich gefreut."

CSU fordert "mittelalterlichen Pranger" bei Verstößen

Der Skandal hat inzwischen Streit über schärfere Datenschutzgesetze ausgelöst. CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl kündigt "harte gesetzgeberische Konsequenzen" an: Man werde es nicht bei der Erhöhung der Bußgelder belassen, sondern allen Unternehmen, die Daten ihrer Kunden missbräuchlich verwenden, "die denkbare Höchststrafe" auferlegen, sagte er dem SPIEGEL. Der CSU-Politiker will "Täterfirmen" danach künftig gesetzlich dazu zwingen, den Missbrauch selbst öffentlich zu machen und die Opfer zu informieren. Uhl erhofft sich von einer derart erzwungenen Transparenz "eine abschreckende Wirkung, wie sie einst der mittelalterliche Pranger hatte". Der Telekom wirft er überdies "blanke Heuchelei" vor. In der Debatte um die Vorratsdatenspeicherung habe sie massiv gegen das geplante Gesetz lobbyiert und sich dabei zum "Schutzengel ihrer Kunden" stilisiert. Ihr eigener Datenmissbrauch sei ein "Skandal, der in seinem ganzen Ausmaß noch gar nicht zu Ende gedacht ist".

Allerdings gibt es in der Union auch prominente Gegner einer Gesetzesverschärfung. Unions-Vizefraktionschef Wolfgang Bosbach spricht sich dagegen aus, Innenminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) setzt vorerst auf eine Selbstverpflichtung. Am Montag will er mit Vertretern der Branche über die richtigen Gegenmaßnahmen reden.

plö



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