Telekom Wer kommt nach Malone?

Nach dem Verbot des Kartellamts muss Telekom-Chef Ron Sommer einen neuen Käufer finden, der rund 5,5 Milliarden Euro bieten will und kann. Interessenten gibt es, doch der Preis ist heiß.


Ron Sommer: Wer zahlt die Milliarden?
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Ron Sommer: Wer zahlt die Milliarden?

Berlin - Fast ein Jahr ist es nun her, dass die TelekomChart zeigen den Einstieg von John Malones Liberty Media ins deutsche Kabel-Business bekannt gab. Kartellamtschef Ulf Böge hat nun sein Veto eingelegt: "Der Zusammenschluss würde die Wettbewerbsstruktur auf den deutschen Kabelmärkten deutlich verschlechtern", sagte er und drehte damit endgültig den sehnlichst erwarteten Geldhahn zu.

Liberty-Chef Malone hatte schon zuvor abgewinkt. Wenn sich das Kartellamt nicht bewege, werde man sich ganz aus Deutschland zurückziehen, ließ er seine Anwälte drohen. Das Kartellamt ließ sich dadurch nicht beeindrucken, wohl aber die Bundesregierung. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums bemühte sich schnell um Schadensbegrenzung. Man habe ja Verständnis für die Wettbewerbshüter, aber das gelte natürlich nicht für andere Investoren. "Grundsätzlich begrüßt die Bundesregierung jedes ausländische Engagement", sagte er. Es sei zu bedauern, dass es im Fall Liberty nicht im Vorfeld zu einer Einigung gekommen sei.

Momentan steht Telekom-Chef Ron Sommer ohne den Investor da, mit dem er bisher fast jede Frage zum Schuldenabbau parierte. An der Frankfurter Börse wird jedoch schon kräftig über einen neuen Kabelnetz-Käufer spekuliert. "Es deutet alles darauf hin, dass die Telekom auch nach Liberty einen Käufer für ihr Kabelnetz finden wird", hieß es auf dem Parkett.

Liberty-Chef Malone: ...und raus bist du
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Liberty-Chef Malone: ...und raus bist du

"Ein möglicher Käufer ist mit Sicherheit die britische Compere", sagte ein Händler. "Solange sich Liberty uns gegenüber nicht endgültig ablehnend äußert, werden wir keine Verhandlungen mit anderen Partnern aufnehmen, weil Liberty Exklusivpartner der Telekom ist. Also sind auch die Angebote von Compere nur als öffentliche Absichtsbekundungen zu verstehen", sagte Telekom-Sprecher Ulrich Lissek zu den Marktspekulationen.

Compere, ein Londoner Finanzmakler, hatte dem "Handelsblatt" bestätigt, dass er für das Telekom-Kabel bieten wolle. Man habe kein Problem, den Kaufpreis von 5,5 Milliarden Euro zusammen mit "finanziellen Partnern" zu zahlen. Die Namen der Partner wurden jedoch nicht genannt.

Ein möglicher Käufer aus Deutschland hat bereits abgewunken. "In diesen Größenordnungen sind wir nicht dabei", sagte ein Sprecher der Robert Bosch GmbH. Der schwäbische Fahrzeugtechnik- und Elektronikkonzern zählt derzeit bundesweit 1,3 Millionen Kabelhaushalte zu seinen Kunden. Mittelfristig soll die Zahl auf zwei Millionen klettern. In den vergangenen Wochen war Bosch mehrfach als Alternative zu Liberty Media genannt worden.

Immer wieder erwachten in den vergangenen Wochen Spekulationen über ein deutsches Bieterkonsortium. So hieß es in Presseberichten, die Deutsche Bank Chart zeigen bastele an einer Investoren-Gruppe, die aus ihrer Kabelnetz-Tochter TeleColumbus, der Mainzer PrimaCom und der Bosch-Tochter Bosch Telecom bestehen würde. Auch dieses Konsortium könne ein Gebot abgeben, wenn der Deal mit Malone scheitern sollte. Sprecher der Bank allerdings dementierten den Bericht energisch. Tatsächlich erscheint diese Spekulation strategisch widersinnig, da die Banker TeleColumbus eigentlich verkaufen wollen - und zwar an John Malone. Von PrimaCom hieß es hingegen, man sei in der Tat bestrebt, ein derartiges Konsortium auf die Beine zu stellen. Und auch Gerhard Zeiler, Geschäftsführer beim TV-Sender RTL, der Malones Eindringen ebenso ablehnt wie die ARD und die KirchGruppe, gab sich in einem Zeitungsinterview sicher: "Es gäbe andere Käufer für das Kabelnetz".



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