Telekommunikation MobilCom-Hilfe erzürnt Konkurrenten

Die Mobilfunkbranche ist aufgebracht über die Regierungs-Hilfen für MobilCom. Konzerne drohen mit millionenschweren Forderungen an das Berliner Wirtschaftsministerium, andere wollen die Brüsseler Wettbewerbshüter einschalten.


Konkurrenten werden neidisch: MobilCom-Zentrale in Büdelsdorf
DPA

Konkurrenten werden neidisch: MobilCom-Zentrale in Büdelsdorf

Hamburg - "Ich denke, wenn die deutsche Regierung MobilCom hilft, sollte sie dem ganzen Sektor helfe. Sie kann nicht ausgewählte Hilfe an nur einen Mobilfunkbetreiber geben", sagte KPN-Chef Ad Scheepbouwer der "Financial Times Deutschland" (FTD). Die Bundesregierung hatte MobilCom am Wochenende Kredite der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau in Höhe von rund 400 Millionen Euro zugesagt und damit eine Insolvenz des Büdelsdorfer Unternehmens verhindert.

SPIEGEL 38/02 S. 85 Grafik UMTS TEXT (thumb)
DER SPIEGEL

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"Warum bekommt Quam kein Geld?", fragt Scheepbouwer der "FTD" zufolge. Quam hatte im Juli den Geschäftsbetrieb in Deutschland eingestellt und angekündigt, rund 800 Mitarbeiter zu entlassen. Den Muttergesellschaften Telefónica und Sonera war das UMTS-Geschäft in Deutschland zu teuer geworden. Scheepbouwer verlangt deshalb auch Staatshilfen für andere Mobilfunkbetreiber, die unter der Last der teueren UMTS-Lizenzen leiden: "Wir werden sehen, was wir bekommen. Und wenn wir nichts bekommen, dann müssen wir sehen, was unser nächster Schritt ist. Wenn sie wirklich nur ein Unternehmen unterstützen, werden wir uns in Deutschland Rechtsbeistand holen. Unsere Juristen werden dies prüfen."

Ähnlich hatten sich am Montag auch andere MobilCom-Konkurrenten geäußert. Für alle Anbieter müssen die gleichen Wettbewerbsbedingungen gelten, forderte beispielsweise ein O2-Sprecher in München. "Wenn die Gelder an MobilCom fließen, müssen wir überlegen, was wir tun". Auch bei Vodafone/D2 wird nach Angaben einer Sprecherin befürchtet, "dass im UMTS-Geschäft Wettbewerbsverzerrungen entstehen". Vodafone werde genau beobachten, wie das weitere Vorgehen von MobilCom in diesem Bereich sein werde.

Bedenken an den Hilfen für MobilCom hat auch EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti angemeldet. Er will die Staatshilfen für das Büdelsdorfer Unternehmen überprüfen lassen. Nach Angaben von Montis Sprecherin muss die versprochene Hilfe zu marktüblichen Zinssätzen gewährt werden. Sechs Monate nach einer Genehmigung müsse die Bundesregierung dann in Brüssel einen Umstrukturierungsplan vorlegen, der die langfristigen Chancen der Firma aufzeige.

Die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau hat unterdessen die Soforthilfe über 50 Millionen Euro für MobilCom gebilligt. "MobilCom wird das Geld aber erst in den nächsten Tagen abrufen", sagte KfW-Sprecher Matthias Fritton. Ursprünglich sollte das Geld schon am Montag fließen.

Zu den Sicherheiten, die die KfW für den Kredit erhalten habe, wollte sich der Sprecher nicht äußern. Fritton hatte zuvor gesagt: "Es muss ein komplett marktüblicher Kredit zu kommerziellen Konditionen werden."

Unklar ist auch der Ausgang der Verhandlungen der Bundesregierung zur Beilegung des Rechtsstreits zwischen MobilCom und ihrem Großaktionär France Télécom. Bereits am Montagmorgen hat es dazu nach Angaben von Bundeskanzler Gerhard Schröder Gespräche mit der französischen Regierung gegeben. Weder von dort noch bei France Télécom gab es bisher eine Stellungnahme zum Stand der Verhandlungen.

MobilCom- Gründer und Mehrheitsaktionär Gerhard Schmid hat sich dagegen zu Wort gemeldet. Er erwäge einen Rückkauf von MobilCom-Aktien von der France Télécom, sagte er den "Lübecker Nachrichten". Der französische Konzern hält 28,5 Prozent an dem Büdelsdorfer Mobilfunkunternehmen. Schmid hat dafür ein Vorkaufsrecht. Eine Rückkehr auf den Sessel des Vorstandsvorsitzenden kann sich der frühere MobilCom-Chef dem Bericht zufolge allerdings nicht vorstellen.



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